Wir sind in Albany angekommen, einer Kleinstadt im Südwesten von Australien. In der Umgebung gibt es viel zu sehen und so haben wir uns für drei Tage auf dem Emu Beach Holiday Park eingebucht.

Wir statten dem Torndirrup Nationalpark, der für seine Felsformationen bekannt ist, einen Besuch ab. Am The Gap kann man die Aussicht auf einer Plattform 40 Meter über dem Meer geniessen. Manch einem ist das noch nicht genug und sie müssen unbedingt an den Rand der Felsen klettern. Ich kann gar nicht hin sehen.

Gleich neben The Gap befindet sich die Natural Bridge. Auf Schautafeln ist die Entstehung sowie das zukünftige Schicksal der Formation erklärt – sie wird einstürzen.

Daneben bietet der Park aber noch weitere unzählige Aussichtspunkte, Wanderwege und Badebuchten. Da die Jungs beim Wort „Viewpoint“ nur noch mit den Augen rollen, fahren wir zum Misery Beach, der alles andere als elend ist. Eigentlich als idealer Familienstrand beschrieben, gibt es hier sehr zur Freude von Henry und Paul richtig gewaltige Wellen, die selbst die stärksten Erwachsenen umhauen und zurück an den Strand spülen.

Auf einen Besuch der Walfangstation verzichten wir. Albany war bis 1978 ein Zentrum des Walfangs und über 14,000 Wale mussten hier ihr Leben lassen.
An unserem zweiten Tag in Albany fahren wir eine halbe Stunde ins Landesinnere zum Porongurup Nationalpark. Uns lockt der Castle Rock mit dem Granite Skywalk. Der Himmel ist wolkenverhangen, aber zum Wandern ist das gar nicht so schlecht. Die 2.3 Kilometer zum Castle Rock verlaufen zwar zum Grossteil im Wald, aber sobald die Sonne hinter den Wolken hervor blitzt, fühlt es sich gleich zehn Grad wärmer an.

Der Weg wird als anstrengend und steil beschrieben, was wir absolut nicht bestätigen können. Zumindest nicht bis zum Fuss des Castle Rock, wo sich der Balancing Rock befindet.

Dann kommt der spannende Teil der Wanderung. Wir müssen über Felsen kraxeln, teils mit Hilfe von installierten Griffen.

Dann stehen wir am Fusse der sieben Meter hohen Leiter, die uns hinauf zum Granite Skywalk bringt. Zunächst müssen wir warten, denn wir haben Gegenverkehr von oben. Ich möchte nicht wissen, wie es hier zur Hochsaison zugeht.

Oben geniessen wir die Aussicht in alle Richtungen. Wir können jedoch nicht all zu lang bleiben, denn es kommen ständig neue Besucher und wirklich viel Platz ist nicht.

So essen wir unser Picknick an einem Lookout unterhalb vom Felsen und machen uns dann auf den Rückweg nach Albany. Zur Belohnung halten wir an einer Erdbeerfarm mit Café und Spielplatz.

Schon müssen wir auch wieder Abschied nehmen von Albany. Auf dem Weg nach Westen passieren wir Denmark und den William Bay Nationalpark. Die Idee hatten wohl heute einige, es ist Montag morgen und der Parkplatz um 10 Uhr schon sehr gut gefüllt. Nach einem Besuch bei den Elephant Rocks, einer Felsformation, die aussieht wie Elefantenrücken, lassen wir die Jungs noch im Greens Pool baden. Ein absoluter Traumstrand, der jedoch bei unserem Nachwuchs auf wenig Gegenliebe stösst. Keine Wellen! Ich glaub, sie sind mittlerweile echt verwöhnt, was Strände angeht.

Unser Tagesziel ist Walepole, das in mitten der riesigen Karriwälder liegt. Diese Baumgiganten werden bis zu 85 Meter hoch, haben aber ein äusserst empfindliches Wurzelsystem. So wurde nach einem Weg gesucht, die Bäume den Menschen zugänglich zu machen, ohne dass sie dabei geschädigt werden. So entstand der Valley of the Giants Tree Top Walk. In bis zu 40 Metern Höhe läuft man hier auf Stahlkonstruktionen durch die Baumkronen. Da fühlt man sich wie ein Zwerg.

Am Boden kann man die Giganten auf einem Boardwalk auch von unten bestaunen.

Am nächsten Tag geht es mit Bäumen weiter. Im Südwesten reiht sich ein Nationalpark an den nächsten, so dass man das Gefühl hat, durch einen riesigen Wald zu fahren. Leider haben wir einen Truck vor uns, der immer wieder fast von der Strasse abkommt oder auf die Gegenfahrbahn gerät. Überholen trauen wir uns deshalb nicht, wäre sowieso fast nicht möglich. Also nehmen wir lieber einen Umweg nach Pemberton in Kauf, als weiter diesem Kamikaze Fahrer zu folgen. Wir haben Tickets für die Pemberton Tramway, mit der wir eine halbe Stunde durch den Wald in Richtung Cascades tuckern. Die „Wasserfälle“ sind wie erwartet um diese Jahreszeit eher Rinnsale, aber die Fahrt ist ganz lustig.

Bei Pemberton befinden sich auch diverse Karribäume, die man bis vor ein paar Jahren noch erklimmen konnte. Einige dienten früher als „fire lookouts“ zum Erkennen von Buschbränden. 2019 ist Werner am Dave Evans Bicentennial Tree noch bis auf die Plattform in 75 Metern Höhe geklettert. Diese wurde jedoch 2023 für zu unsicher befunden. Jetzt kann man immerhin noch auf schwindelerregende 25 Meter hinauf.

In den letzten Tagen haben wir viel unternommen, was der Tatsache geschuldet ist, dass der Südwesten von Australien einfach unglaublich viel zu bieten hat und wir gegen Ende der Reise keine Zeit mehr haben. Dafür gönnen wir uns zwei Tage Auszeit auf einer Avocadofarm, die Stellplätze mit eigenem Bad und einem Deck mit Grill anbietet. Am zweiten Tag klettert das Thermometer auf 35 Grad, man findet uns also im Schatten der Markise. Die Region um Perth wird gerade von einer ungewöhnlichen Hitzewelle heimgesucht, denn eigentlich hat der Herbst begonnen. Während halb Queensland unter Wasser steht, brennt einem hier die Sonne gnadenlos auf den Kopf.

Ein paar Tage bleiben uns noch für die Margaret River Region, wo wir zuerst nach Hamelin Bay fahren. Der Strand ist bekannt für die Rochen, die fast jeden Morgen vorbei schauen. Zunächst machen sie sich rar und wir wollen schon enttäuscht weiter ziehen. Dann haben wir aber doch noch Glück.

Heute fahren wir noch bis nach Yallingup, eine halbe Stunde nördlich von Margaret River, bevor es dann morgen zurück nach Margs (die Australier lieben ihre Abkürzungen) geht. Das macht fahrtechnisch keinen Sinn, aber es ist Wochenende und ein freier Stellplatz Mangelware.
Rund um Margaret River gibt es unzählige Tropfsteinhöhlen, von denen einige auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Wir entscheiden uns für die Mammoth Cave, weil die mittels Audioguide auf eigene Faust erkundet werden kann.

In der 500 Meter langen und 30 Meter Tiefen Höhle wurden viele Fossilien der ausgestorbenen Megafauna gefunden.
Wir bestaunen die bizarren Kalksteinformen fast allein, was das Erlebnis noch etwas spezieller macht.

In Yallingup, einem kleinen Surferort, bekommen wir zunächst einen Stellplatz, der kaum gross genug für unseren Camper, geschweige denn für Tisch und Stühle ist. Wasseranschluss haben wir auch keinen. Ich frage nach einem alternativen Platz und wir bekommen eine Ensuite Site mit eigenem Badezimmer zum gleichen Preis. Da am Strand heute ein Burgervan steht, nehmen wir gern die 15 Minuten Fussweg in Kauf. Es ist immer noch unglaublich heiss, so dass die Jungs noch einmal in die Wellen springen.

Kulinarisch hat Yallingup noch ein anderes Highlight zu bieten – eine deutsche Bäckerei. Das Brot ist so fein, dass wir gleich noch ein zweites holen und der Apfelstrudel und Mini Gugelhupf finden auch reissenden Absatz. Bevor wir nach Margaret River zurück düsen, suchen wir weiter Abkühlung im Meer und finden diese am Injidup Natural Spa. Hier läuft das Meerwasser über Felsen in einen natürlichen Pool und man fühlt sich wie in einem Whirlpool. Stellt man sich direkt unter das hereinströmende Meerwasser, bekommt man noch eine gratis Massage. Der Mann neben mir vergleicht es eher mit dem Gefühl, gerade verprügelt worden zu sein.

Zum Mittag fahren wir an die Geographe Bay, die geschützt liegt und im Gegensatz zu den Surferstränden an der Westküste, Badevergnügen in ruhigen Gewässern bietet.

Nachdem wir gestern am Burgervan Gefallen gefunden haben, geht es heute mit indischem Curry weiter. Da könnte ich mich glatt dran gewöhnen.

Am Morgen schlendern wir auf der Suche nach Andenken ein wenig durch die Stadt und geniessen morgens um 10 Uhr das erste Eis. Sind auch schon über 30 Grad, dann ist das durchaus legitim.
In Busselton legen wir einen Stopp ein. Hier gibt es mit 1,8 Kilometern den längsten Holzsteg der südlichen Hemisphäre. Jetzt haben wir gefühlt alle Superlative an Stegen in Australien gesehen. Auf einen Spaziergang verzichten wir, da man sogar dafür Eintritt zahlen muss. Ausserdem wimmelt es nur so von Leuten, da ein riesiges Kreuzfahrtschiff vor Anker liegt. Nach einem Besuch auf dem wirklich schönen Spielplatz und einem Bad im Meer, geht es zum letzten Campingplatz mit dem Wohnmobil in Bunbury.
Direkt gebenüber vom Camping befindet sich das Dolphin Discovery Centre. Fast jeden Morgen kommen die in der Bucht lebenden Delfine vorbei und man darf unter Aufsicht durch Freiwillige zu ihnen ins Wasser. Leider ist das Meer heute morgen auf Grund des Windes ziemlich rau, sodass wir auf dem Strand bleiben müssen. Den Rest des Tages verbringen wir dann mit Schulaufgaben und Wohnmobil putzen.

Vor der Abfahrt am Morgen schauen wir noch einmal bei den Delfinen vorbei und wir haben Glück.

Im nächsten Beitrag nehmen wir euch mit nach Perth und Fremantle. Hier findet ihr noch weitere Eindrücke aus dem Südwesten.