Wir sind zurück in Esperance, dem Ort mit dem wir uns auf der letzten Reise nicht so richtig anfreunden konnten. Das lag vor allem an der Campingsituation in der kleinen abgelegenen Stadt. Die Plätze sind durchweg eher nicht schön und trotzdem chronisch ausgebucht. Diesmal waren wir so schlau, im Voraus zu reservieren. Wir bleiben aber nur eine Nacht, um unsere Vorräte aufzufüllen, zu waschen und alle elektronischen Geräte aufzuladen. Das erste Unterfangen wird schon zur Geduldsprobe, es ist Samstag und der Supermarkt entsprechend voll. Auf dem Campingplatz stellen wir fest, dass wir vor sechs Jahren auf genau diesem auch schon waren. Allerdings wurde hier mittlerweile massiv renoviert und wir bekommen ausnahmsweise mal einen schönen schattigen Stellplatz. Und ich kann mich darauf verlassen, als das letzte Wäschestück auf der Leine hängt, ziehen dunkle Wolken auf.

Als wir am nächsten Morgen noch ein paar wenige Dinge im Supermarkt besorgen wollen, stellen wir erstaunt fest, dass hier Sonntags fast alles geschlossen hat. Das sind wir überhaupt nicht mehr gewöhnt. Zum Glück haben wir den Grosseinkauf gestern erledigt, sonst hätten wir die nächsten Tage Diät machen können. Denn unser Ziel ist der Cape Le Grand Nationalpark, wo wir für drei Tage einen Stellplatz auf dem Lucky Bay Campground haben. Den mussten wir schon im Oktober reservieren, denn sobald die Plätze sechs Monate vorher aufgeschaltet werden, sind sie auch schon ausgebucht. So haben wir unsere Route grob um dieses Datum herum geplant.
Wir bekommen tatsächlich einen Platz in der ersten Reihe, der neben Aussicht auch Windschutz und Schatten bietet. Jackpot so zu sagen! Den Schatten brauchen wir aber zunächst nicht, denn der Himmel hüllt sich in dicke Wolken. Das kommt uns ganz gelegen, denn für heute stehen Schulaufgaben auf dem Plan.

Am zweiten Tag erkunden wir den Nationalpark mit unserem fahrbaren Untersatz. Auf der letzten Reise waren leider alle Strassen im Park wegen eines Buschbrandes geschlossen. Da sich die Sonne immer noch rar macht, verschieben wir die Strände auf später und fahren zum Frenchman Peak. Der felsige Berg ist mit seinen 262 Metern zwar nicht besonders hoch, aber der 1,5 Kilometer lange Wanderweg zum Gipfel ist auf weiten Strecken ziemlich steil und man muss sich an kleinen Wegweisern orientieren. Das bringt ihm eine „Grade 5“ Klassifizierung ein, die schwierigste Kategorie. Da Werner den Berg in jungen Jahren schon erklommen hat, bleibt er mit Charlie im Wohnmobil. Für die Wanderung sind insgesamt 3 Stunden veranschlagt, aber Henry und Paul legen mal wieder ein Tempo vor, dass mich nur nach Luft japsen lässt. Dafür sind wir auch nach 30 Minuten oben. Davor bekomme ich aber noch das ein oder andere Mal hohen Puls, denn der Weg ist wirklich sehr exponiert und zudem frischt der Wind auf.

Die Aussicht ist dafür aber fantastisch, wir überblicken den gesamten Nationalpark und die Sonne kommt tatsächlich zum Vorschein.

Knapp unterhalb des Gipfels befindet sich eine riesige Höhle, die vor über 40 Millionen Jahren von Wellen geformt wurde, als der Meeresspiegel noch über 300 Meter höher lag. Verrückt.

Nach dem Abenteuer haben wir uns eine Pause an der Hellfire Bay verdient.

Hier kann man auch prima Influencer Feldstudien betreiben. Plötzlich taucht über dem Meer eine Drohne auf, kurz darauf eine leicht bekleidete junge Dame, die sich ein paarmal in Pose wirft, kurz ins Meer rennt – den Blick natürlich immer gen Drohne – wieder zurück kommt und verschwindet. Der Besitzer der Drohne ist gleich oben auf dem Parkplatz geblieben. Wir schauen uns nur staunend an. Was soll das? Damit sie der Welt zeigen können, dass sie an der Hellfire Bay waren. Aber eigentlich doch nicht?
Am letzten Tag nehmen wir die zwei Kilometer bis zur Thistle Cove zu Fuss in Angriff. Der Weg führt wunderschön am Meer entlang, zunächst durch dichten Busch und dann wieder über Granitfelsen.

Wir haben ja schon viele tolle Strände in Australien gesehen, aber das ist vielleicht der schönste – strahlend weiser Sand, türkises Wasser und dazu die Granitfelsen. Gegenüber Lucky Bay kann er alleine schon damit punkten, dass man hier nicht auf den Strand fahren kann. Das tun dort nämlich nicht nur die Allradfahrzeuge, die dafür ausgelegt sind sondern gefühlt auch jedes zweite Wohnmobil.

Als gegen Mittag die Selfie Sticks und geölten Körper Einzug halten, ergreifen wir die Flucht. Den Nachmittag verbringen wir gemütlich auf dem Campingplatz, wo wir auch wieder Besuch von den „Einheimischen“ bekommen.

Am Strand tauchen plötzlich ganz nah Delfine auf, aber da sofort hundert Menschen ins Wasser stürmen, sind sie leider ganz schnell wieder verschwunden.

Am nächsten Morgen heisst es Abschied nehmen von Lucky Bay. Wir hatten eine tolle Zeit hier im Nationalpark, eine willkommene Abwechslung zu den vielen Kilometern auf der Strasse davor. Da es bis nach Albany 500 Kilometer sind, legen wir noch einen Zwischenstopp im Fitzgerald River Nationalpark ein. Hopetoun, das Tor zum Park, begrüsst uns mit dunklen Wolken und Regen. Da wir jetzt fünf Tage am Stück ohne Strom campen, sind wir auf der Suche nach einer Steckdose und werden fündig.

Auf dem Four Mile Campground werden wir sehr herzlich von den Camp Hosts begrüsst. Das sind meist Rentner, die für einige Wochen bleiben und für freie Unterkunft den Platz bewirtschaften. Hier gibt es nur fünfzehn Stellplätze und Werner ist nach einem Ausflug zur Camp Küche mit gefühlt allen Anwesenden per du.
Ein Grossteil des Parks ist nur über unbefestigte Strassen und Allradpisten zu erreichen. Die sind jedoch im Moment alle gesperrt, um die Wurzelfäule einzudämmen. Der East Mount Barren ist zum Glück erreichbar und so machen wir uns auf den 1.6 km langen Weg auf den kargen Berg. Es steht nur ein weiteres Auto auf dem Parkplatz. Der Park ist vor allem zur Wildblumenblüte im Frühling ein beliebtes Ziel.

Der Weg führt über Quarzfelsen und lose Steine und ist stellenweise so stark zugewachsen, dass Charlie fast verschwindet.

Oben auf dem Plateau ist sehr zur Freude der Kinder auch etwas Kletterei gefragt.

Am Ziel haben wir einen herrlichen Ausblick auf den Four Mile Beach und das Culham Inlet.

Anschliessend fahren wir noch zu einigen Lookouts, die aber nur die Erwachsenen interessieren. Die Jungs geniessen dann lieber die Wellen am Barrens Beach.

Dann steht uns die letzte lange Fahrstrecke hier im Süden bevor – 350 Kilometer bis Albany. Dafür gönnen wir uns einen Kaffee vom Van in Hopetoun. Auf eins ist in Australien Verlass – der nächste Kaffee ist nicht weit und er schmeckt immer. Hier treffen sich die Einheimischen inklusive des über Achtzigjährigen, der nach seiner morgendlichen Schwimmeinheit ein heisses Getränk geniesst.
Die Strecke ist wenig abwechslungsreich und anstrengend zum Fahren, es sind quasi vier Stunden Landstrasse. Auf halber Strecke machen wir Pause in Jerramungup am schönen Spielplatz.

Was wir in Albany erlebt haben, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. Hier findet ihr noch weitere Eindrücke der letzten Tage.