Im letzten Beitrag hatten wir es angekündigt, aber das Funkloch war noch grösser als gedacht. Statt auf direktem Weg weiter nach Norden zu fahren, biegen wir von Exmouth ins Landesinnere ab. Unser Ziel ist der Karijini Nationalpark in der Pilbara. Dieser kleine Umweg beschert uns zwar 500 extra Kilometer, aber schon vor 11 Jahren zählte diese Gegend zu den Höhepunkten unserer Australienreise.
Zunächst einmal müssen wir die 600 Kilometer Strecke bis Tom Price hinter uns bringen, wohl wissend das diese auch 50 Kilometer Schotterpiste beinhaltet. Statt noch eine Nacht in Exmouth zu verbringen, fahren wir schon ein Stück gen Osten und übernachten auf der Giralia Station. Leider sind wir fast die einzigen Gäste, deshalb findet weder das Lagerfeuer noch die angekündigte Live Musik statt. Unsere Freunde, die Fliegen lassen sich aber nicht lumpen und leisten uns munter Gesellschaft. An weiterem Getier mangelt es auch nicht.

Es war vermutlich nur eine ungiftige Python, aber so ganz beruhigt schlafe ich in dieser Nacht nicht.
Kurz nach sieben Uhr sind wir am nächsten Morgen fahrbereit, um die verbleibenden 450 Kilometer hinter uns zu bringen. Das ist neuer Rekord. Frühstück gibt es erst am Nanutarra Roadhouse.

Dafür sind wir auch kurz nach Mittag bereits in Tom Price, der höchstgelegenen Stadt Westaustraliens. Der Campingplatz hat einen Pool und eine Waschmaschine, alle sind glücklich. Tom Price wurde in den 1960er Jahren als Bergbaustadt gegründet, denn die Pilbara verfügt über die weltweit grössten Vorkommen an Eisenerz. Rio Tinto betreibt ausserhalb von Tom Price eine gigantische Mine, die vor allem China mit dem begehrten Rohstoff versorgt.

Eigentlich wollten wir an diesem Morgen zeitig aufbrechen, aber dann sehen wir zwei voll bepackte Fahrräder vor der Küche stehen. Eine Stunde später wissen wir dann, dass die zwei deutschen Radler ein Jahr in Australien unterwegs sind. Hut ab, das ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Zwei wirklich sehr sympathische Menschen, die sich einen lang gehegten Traum erfüllen.
Leider regiert auch in dieser abgelegenen Gegend das Geld und so wurde der Karijini Nationalpark in den 1990er Jahren in zwei Hälften geteilt, weil man mitten im Park Eisenerz fand. So blickt man heute vom Mount Bruce aus neben den Hamersley Ranges auch auf die Marandoo Mine.

Wir erfahren, dass der Grundwasserspiegel gesenkt wurde, um an noch mehr Eisenerz zu gelangen. Wissenschaftler vermuten, dass einige der Schluchten im Park in nicht all zu ferner Zukunft deshalb kein Wasser mehr führen werden. Da kann man nur den Kopf schütteln.
Wir bleiben 3 Nächte und erkunden einige der zahlreichen Schluchten auf Schusters Rappen (oder auf Papas Rücken). Die Dales Gorge liegt gleich neben dem Campingplatz und bietet einen schönen Rundweg. Zunächst geht es am oberen Rand der Schlucht entlang. Von Aussichtspunkten kann man bis zu 100 Meter in die Tiefe schauen, Geländer gibt es keine.

Dann steigen wir hinab in die Schlucht und kraxeln über Stock und Stein zum Circular Pool. Baden ist hier nur etwas für Hartgesottene, durch die steilen Felswände sieht dieser Teil der Schlucht kaum Sonne. Deshalb machen wir uns entlang des Flusses auf zu den Fortescue Falls.
Nach einem kurzen Abstecher zum Fern Pool geht es über mehr als 200 Stufen wieder hinauf zum Campingplatz. Die Jungs haben offensichtlich noch Reserven. Während ich noch nach Luft japse, sind sie schon oben angelangt.
Am Abend gibt es noch ein Highlight für Henry und mich. Ein Hobby Astronom bietet «Astronomy Nights» an und so dürfen wir durch das Teleskop unter anderem die Milchstrasse und den Jupiter bestaunen und erfahren allerlei Wissenswertes über den südlichen Sternenhimmel.
Wir fahren in den westlichen Teil des Parks und nehmen uns zwei schwierigere Wanderungen vor. Zunächst geht es in die Hancock Gorge. Es sind zwar nur 800 Meter pro Wegstrecke, aber die haben es in sich.

Über steile Leitern hinab 
… immer schön am Felsen entlang 
… bloss nicht ins Wasser fallen 
…am Ziel angekommen.
Das Wasser ist eiskalt und spätestens durch den nächsten Pool müssten wir schwimmen oder eine waghalsige Kletteraktion in Kauf nehmen. Wir erinnern uns noch allzu gut, wie einige Mitglieder unserer Reisegruppe damals ein unfreiwilliges Bad genommen haben. Mit den Jungs ist es auch bis hier Abenteuer genug.
Nach dem Mittag nehmen wir die Weano Gorge in Angriff. Auch hier ist die Wegstrecke wieder nicht sonderlich lang, aber die schmale Schlucht um so beeindruckender.

Die Wanderung endet am Handrail Pool. Mit Hilfe einer Eisenstange klettern wir am Felsen hinunter zum Wasser. Henry meistert alles super und ist voll in seinem Element.
Jetzt haben wir uns eine Belohnung verdient und gönnen uns im Karijini Eco Retreat zwei Kaffee und zwei Eis für die Jungs für satte 25 Dollar! Das dürfte ebenfalls neuer Rekord sein.
Wir verlassen den Park mit jeder Menge schönen Erinnerungen und ebenso viel rotem Staub im Auto und auf der Haut. Besonders Paul hat sich jeden Tag grosse Mühe gegeben jeden Zipfel seiner Kleidung und auch die Haut mit einem roten Film zu überziehen.

Der kürzeste Weg zurück zur Küste führt über den Highway, wir nehmen aber die Privatstrasse der Minengesellschaft, die entlang der Eisenbahntrasse führt, auf der die riesigen Eisenerzzüge zum Hafen fahren. So können wir auch noch die Hamersley Gorge besuchen, die etwas abseits der Touristenroute liegt.

Für die Benutzung der Rio Tinto Rail Access Road braucht man eine Genehmigung, die man sich netterweise bequem im Internet besorgen kann. Wir haben Glück und sehen gleich zu Anfang der Fahrt einen Zug mit drei Lokomotiven und über 230 Waggons (selbst gezählt). Die Züge sind bis zu 7 Kilometer lang.

In der nächsten Stunde kommen uns ausserdem drei leere Züge aus der anderen Richtung entgegen. Man kann die Dimensionen des Rohstoffgeschäftes nur erahnen und wir schlucken mehr als einmal beim Gedanken daran, wie die Gegend wohl in 20 Jahren aussehen wird.
Unser Nachtlager schlagen wir im Millstream Chichester Nationalpark auf. Da dieser nur über Schotterstrassen zu erreichen ist, wird er nicht so häufig besucht. Die Wanderwege rund um den Campingplatz sind leider alle wegen eines kontrollierten Buschfeuers letzte Woche geschlossen.

Dafür überrascht uns am nächsten Tag der nördliche Teil des Parks mit einer traumhaften Landschaft.

Das Tagesziel lautet Port Hedland. Die Stadt scheint nur einem einzigen Zweck zu dienen – dem Eisenerz-Export nach China. Vom Spielplatz aus schauen wir beim Beladen der Frachter zu.

Am Horizont sieht man wie auf einer Perlenkette aufgereiht mindestens 15 Schiffe, die auf ihren Einsatz warten. Die Hafenanlage ist gigantisch gross und obwohl die Stadt wenig reizvoll erscheint, wären wir gern noch einen Tag länger hiergeblieben.
Stattdessen nehmen wir die letzten 600 Kilometer bis Broome unter die Räder. Das ist mit Sicherheit das langweiligste Stück Strasse, welches wir bis jetzt in Australien befahren haben. Ab und zu kommt mal ein Road Train entgegen, aber sonst sehen wir nur das endlos lange Asphaltband und links und rechts ein paar Bäume. Dafür haben wir jetzt ein paar Tage, um uns in Broome zu entspannen bevor es durch die Kimberleys Richtung Darwin geht.