Die Westküste von Perth nach Broome ist lang, sehr lang. Deshalb stehen uns heute auch 350 km bis in die Shark Bay bevor. Auf der Strecke gibt es nichts wirklich Interessantes ausser zwei Raststätten. An der ersten, dem Billabong Roadhouse füllen wir unseren Tank. Keine 500 Meter davor liegt noch eine Shell Tankstelle, wo der Diesel 10 Cent mehr pro Liter kostet. Gut wussten wir darüber Bescheid, sonst hätten wir uns mehr als ein bisschen geärgert.

Die Mitarbeiter in dieser gottverlassenen Gegend sind sehr freundlich und es gibt leckeres Essen und sogar frische Smoothies. Leider sieht das im Overlander Roadhouse 50 Kilometer weiter ganz anders aus. So gibt es fettige Pommes statt frischen Früchten. Das „Al Fresco Dining“ müssten wir uns mit einer gefühlten Million Fliegen teilen. Hier lebt man ganz klar von der guten Lage am Abzweig zur Shark Bay. In den seegrasreichen Buchten fühlen sich Seekühe (Dugongs) besonders wohl, was wiederum eine gehäufte Anzahl von Haien zur Folge hat. Wir haben weder das eine noch das andere gesehen.
Um die lange Fahrt zu unterbrechen, halten wir in Hamelin Pool, um die Stromatoliten (älteste bekannte fossile Lebewesen) zu begutachten. Das stösst bei Paul auf grossen Widerstand. „Ich habe keine Lust hier rum zu stehen. Blöde Steine“.

Wir beschliessen, die Nacht in Denham zu verbringen. Die Wolken werden immer dunkler und es fallen doch Tatsache ein paar Tropfen vom Himmel. Die Jungs richten ihre Wanderbaustelle ein und Werner kämpft mit dem harten Gestein.

Die Nacht ist windig und der folgende Morgen noch viel mehr. Wir überlegen hin und her, ob wir im Francois Peron Nationalpark übernachten sollen. Die Campingplätze liegen alle an der Küste und sollte der Wind nicht nachlassen, wird das keine schöne Erfahrung. Die Camping Gebühren müssen am Parkeingang gezahlt werden, danach folgen 60 Kilometer Sandpiste bis zum Cape Peron. Wir vertrauen auf den Wetterbericht und ziehen los. Nicht, ohne vorher noch den Reifendruck entsprechend ab zu senken.

Die Sandpiste durch den Park ist zum Teil recht tief, aber unser Auto und Fahrer meistern alles mit Bravour. Wir können uns gar nicht satt sehen, an den tollen Farben.

Nur zum Baden im türkisblauen Wasser ist es auf Grund des starken Windes leider viel zu kalt. Vielleicht auch gut so, denn neben Haien gibt es hier auch Steinfische, denen wir lieber nicht begegnen wollen. Thomas in Perth meinte, die Schmerzen sollen sechs mal schlimmer als bei einer Geburt sein. Da verzichte ich dankend. Wir halten an den verschiedenen Campingplätzen, entscheiden uns dann für Bottle Bay. Unser Stellplatz liegt direkt hinter den Dünen und bietet viel roten Sand zum Spielen. Am Skipjack Point könnte man eigentlich Haie, Rochen, Delfine und mit Glück sogar Dugongs im seichten Wasser beobachten, Leider ist es im Moment eher eine stürmische See. So geniessen wir lieber unseren Privatstrand, denn mit uns sind nur drei andere Camper hier.

Gegen Abend lässt der Wind komplett nach und wir bauen vergnügt unser Dachzelt auf und betten uns zur Ruhe. Allerdings nur bis etwa 22 Uhr, der Wind bläst wieder so stark, dass Werner das Dachzelt abbaut und wir zu viert in unserem Bodenzelt kuscheln. Die Jungs staunen am Morgen nicht schlecht, sie haben einfach die ganze Aufregung verschlafen. Als wir dem Cape Peron noch einen Besuch abstatten, treffen wir eine australische Familie, welche uns erklärt was die Abkürzung WA wirklich bedeutet. Nicht Western Australia sondern Windy Always!
Auf dem Rückweg zum Parkeingang steckt ein Auto im Sand und zwar so richtig. Französische Backpacker ohne jegliche Ausrüstung. So kommen unsere Sandbleche doch noch zum Einsatz.

Wir pumpen die Reifen wieder auf und queren die Halbinsel, um nach Monkey Mia zu kommen. Der Ort ist bekannt für seine wilden Delfine, die jeden Morgen an den Strand kommen, um sich mit Fisch füttern zu lassen. Das Ganze wird streng von der Nationalparkbehörde kontrolliert. Der Kontrast zur letzten Nacht könnte nicht grösser sein, aber es gibt einen tollen Spielplatz, zwei Pools und eine der besten Campingküchen, die wir bis jetzt gesehen haben. Am nächsten Morgen heisst es dann aber zeitig auf stehen, denn die erste der drei Fütterungen ist um 7:45 Uhr. Wir stehen dicht an dicht am Strand, aber die Rangerin erklärt, dass es eine kleine Gruppe ist. Einmal waren 740 Menschen anwesend! Es gibt einige wissenswerte Fakten über die Delfine und dann werden sechs Leute aus dem Publikum ausgewählt, die je einen Fisch verfüttern dürfen.

Dann geht es nach Carnarvon, wieder eine lange, recht unspektakuläre Fahrt. Bevor wir die Shark Bay verlassen, besuchen wir den Shell Beach. Hier besteht der komplette Strand aus Muscheln.

Carnarvon nutzen wir nur als Zwischenstopp, wir müssen Wäsche waschen und einkaufen. Leider spielt das Wetter nicht mit und am Morgen ist immer noch alles nass, vor allem auch unser Zelt. Da es kein Innen- und Aussenzelt gibt, haben wir relativ viel Probleme mit Kondensation. Vor allem, wenn es windstill ist. Da hilft auch alles Lüften nichts. Statt das Space Museum zu besuchen, vereinbaren wir einen Late Check Out und versuchen unsere Sachen zu trocknen. In der Waschküche treffe ich eine pensionierte Schweizerin, die jedes Jahr mit ihrem Mann mehrere Monate in Australien verbringt. Sie haben ein Auto und Caravan gekauft, stellen das Gespann dann jeweils am Ende der Reise unter und beginnen die nächste Reise an eben jenem Ort. Ja, so könnten wir uns das auch vorstellen.
Nächster Stopp Coral Bay, eine Feriensiedlung mitten im Nirgendwo. In der absoluten Hochsaison residieren hier 5,500 Menschen pro Nacht. Auch wir hatten Probleme, einen der beiden Campingplätze für drei Nächte zu buchen. Ausser den verschiedenen Unterkünften, Cafes, Restaurants, einer Bar und ein paar Läden gibt es hier nicht viel. Aber der flach abfallende Strand mit Badewannentemperatur und das Ningaloo Riff vor der Haustür machen den Ort so beliebt. Auch wir lassen hier die Seele baumeln und pendeln vom Strand zum Pool und wieder zurück.

Am zweiten Tag machen wir eine Tour mit dem Glasbodenboot. So können auch die Jungs die Korallen bestaunen und wir beobachten Schildkröten.

Die beiden Schnorchelspots sind auch sehr schön, Henry hat dann aber doch Angst, nachdem er im flachen Wasser fleissig geübt hat. Werner kommt dafür in den Genuss der Fischfütterung.
Einen besonderen Geburtstag gibt es auch noch zu feiern, bevor wir weiter ziehen. Henry ist gefühlt schon um vier Uhr wach, aber Paul fast noch aufgeregter als er selbst.

Nachdem der Lego Hai zusammen gebaut ist, fahren wir nach Exmouth. Wir konnten für zwei Nächte einen Platz im Cape Range Nationalpark ergattern. Spontan reisen ist hier schon lange nicht mehr möglich, die Plätze sind oft auf Wochen ausgebucht. Zur Feier der Tages wollen wir noch fein Mittag essen, aber fast alle Restaurants haben nur abends geöffnet. So müssen wir die gewünschte Pizza auf später verschieben.
Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit schnorcheln und baden an den wunderschönen Stränden im Nationalpark.

Es gibt auch einige schöne Wanderungen, aber bereits morgen um 10 Uhr hat es fast 30 Grad und die Fliegen sind wie immer zur Stelle. Den Yardie Gorge Trail wollen wir uns aber nicht entgehen lassen.

Jetzt ist Schluss mit Sand und Meer. Die rote Erde der Pilbara ruft und damit auch ein grosses Funkloch. Es könnte also eine Weile dauern, bis wir uns wieder melden können.