Der komfortable Weg von Broome nach Darwin führt über den Great Northern Highway. Aber wir sind hart im Nehmen und wählen die «Abkürzung» über die Gibb River Road. Die ehemalige Viehroute stellt tatsächlich die kürzeste Verbindung zwischen Derby und Kununurra dar. Kleiner Haken – der Grossteil der 660 Kilometer ist nicht asphaltiert. Der Fahrkomfort hängt davon ab, wann der Grader das letzte Mal auf Besuch war. Die Piste führt mitten durch das Herz der Kimberleys. Jene dünn besiedelte Region im Nordwesten Australiens, die jedes Jahr mehr Leute in ihren Bann zieht. Wie wir finden völlig zurecht.
Zunächst einmal müssen wir aber nach Derby gelangen. Als wir nach dem Mittag in Broome starten, haben wir bereits mehr als 200 Kilometer vom Cape Leveque hinter uns. Passenderweise gibt es am Town Beach einen Wasserspielplatz, wo die Jungs noch ein wenig Energie los werden. Auf halber Strecke befindet sich eine riesige Baustelle, an der wir eine gefühlte Ewigkeit auf das «Stop» Schild starren. Es ist doch immer so, wenn man sowieso schon keine Zeit hat. Wir haben uns eine Farm in der Nähe von Derby als Übernachtungsplatz ausgesucht, aber am Gate hängt ein grosses «Sorry, no vacancy» Schild. Auch ein Anruf beim Nachbarn bringt keinen Erfolg. Auf der Rückbank fliessen bereits die ersten Tränen, Paul mag nicht mehr. Zum Glück hat der Campingplatz in Derby ein Plätzchen für uns. Mit ausgebuchten Plätzen haben wir hier nun wirklich nicht gerechnet. Auf dem Highway haben wir aber eine ganze Menge alter Motorräder überholt und eine Anfrage bei Google bringt des Rätsels Lösung.

Die ersten 60 Kilometer sind noch geteert, dann heisst es Reifendruck reduzieren. Wir biegen Richtung Windjana Gorge ab. Entlang der Gibb River Road gibt es unzählige Schluchten, Farmen, Wasserfälle und Wilderness Parks, die einen Besuch wert wären. Viel zu viel für die eine Woche, welche wir hier verbringen. In Anbetracht der vielen Kilometer, die wir in den letzten 5 Monaten schon gefahren sind, konzentrieren wir uns auf die leicht erreichbaren Ziele. Bereits auf der Zufahrt zum ersten Campingplatz sehen wir ein Fahrzeug mit Plattfuss. Werner hilft schnell beim Radwechsel. Das die Gibb ein Reifenkiller ist, scheint wohl nicht nur ein Gerücht zu sein.
Am Nachmittag ziehen wir noch einmal los zum 35 Kilometer entfernten Tunnel Creek. Der 750 Meter lange Felsentunnel kann durchwandert werden. Schon der Weg zum Eingang ist spannend, es gilt über grosse Felsen zu klettern.

Bereits nach wenigen Metern ist es stockdunkel, also Taschenlampe nicht vergessen. Kommt man am Anfang noch trockenen Fusses voran, muss man je nach Wasserstand spätestens im zweiten Teil durch das zum Glück nicht all zu kalte Wasser waten. Dafür wird man am Ende des Tunnels mit einer wunderschönen Landschaft belohnt.

Der perfekte Zeitvertreib für einen heissen Nachmittag. Mittlerweile sind wir so weit in den Norden vorgedrungen, dass das Thermometer bereits früh um 9 Uhr über 30 Grad anzeigt, in der zweiten Tageshälfte geht es dann eher gegen 35 Grad.
Zurück auf dem Campingplatz kommen Heimatgefühle auf, neben uns stehen zwei Vorarlberger mit denen wir uns nett unterhalten.

Bevor wir am nächsten Morgen weiter fahren, statten wir noch den Krokodilen in der Schlucht einen Besuch ab. Zum Glück sind es nur Süsswasserkrokodile. Normalerweise ungefährlich für Menschen und viel kleiner als ihre Verwandten, die Leistenkrokodile.

Bei der Zufahrt zum Silent Grove Camping steht das nächste Pannenfahrzeug. Diesmal ist gleich das ganze Rad vom Auto abgefallen.

Das Satellitentelefon des älteren Ehepaars funktioniert nicht und so bieten wir unseres an. Nach einem 25 minütigen Gespräch mit dem Pannendienst sind wir 50 Dollar ärmer, aber die Beiden hoffentlich aus ihrer misslichen Lage befreit.
Vom Platz aus sind es noch 10 Kilometer Fahrt zum Bell Gorge und der Wanderweg liegt zumindest teilweise im Schatten. Am Ende wartet die Schlucht mit einem einladenden Pool und Wasserfall. Der Einstieg ins Wasser erfolgt graziös auf dem Hinterteil, die Felsen sind extrem glatt.

Leider bleibt das der einzige Wasserfall, den wir in den Kimberleys sehen. Die Regenzeit hat nur ungefähr die Hälfte der normalen Regenmenge gebracht und die meisten Flüsse sind bereits trocken.
Als wir am nächsten Morgen die Weiterreise antreten, steht das arme Ehepaar immer noch am Strassenrand. Der Abschleppdienst hatte sonntags anscheinend keine Lust von Derby hier raus zu fahren.
Ein Bad in der Galvans Gorge, die heute am Weg liegt, sparen wir uns, als wir diesen Kollegen hier am Wasserrand sitzen sehen.

Das Tagesziel ist mit dem Mt. Barnett Roadhouse fast erreicht. Von hier sind es 400 Kilometer bis zur nächsten Tankstelle, dem entsprechend gut besucht sind die Zapfsäulen.

Ein teurer Spass – der Liter Diesel kostet hier 2,10 Dollar, ungefähr 50 Cent mehr als normal. Zum z’Mittag gibt es Glace, ein Magnum für 6 Dollar oder vier für 14,50. Damit ist klar, dass auch Mami und Papi zuschlagen müssen. Der angeschlossene Campingplatz liegt 7 Kilometer entfernt. Von hier aus kann man zur Manning Gorge wandern. Da der Weg fast keinen Schatten bietet, sparen wir uns die 6 Kilometer für den nächsten Morgen und Baden lieber im Fluss.
Als wir um 8 Uhr am Fluss stehen, denken wir, dass wir zeitig dran sind. Falsch gedacht, die ersten kommen bereits zurück. Zeitiges Aufstehen wird uns für den Rest der Reise begleiten, denn ab Mittag ist es einfach zu heiss, um etwas zu Unternehmen. Ausserdem geht die Sonne kurz nach 17 Uhr unter. Bevor man den Wanderweg überhaupt erreicht muss man sich mit einem kleinen Boot über den Fluss ziehen. Zum Glück habe ich starke Männer dabei.

Wir kämpfen uns durch hohes Gras, klettern über Felsen, laufen bergab und wieder hinauf. Der Weg ist schön, aber anstrengend. Dafür der Pool in der Schlucht sehr erfrischend.

Nach dem Mittag fahren wir weiter gen Osten, die Landschaft wird immer grüner, die Strasse dafür immer schlechter. Andere Reisende hatten uns schon vor diesem Abschnitt gewarnt, prompt steht das nächste Auto mit Reifenpanne am Strassenrand.

Schönste Wellblechpiste erwartet uns auf den nächsten Kilometern. Eigentlich dürfen wir auf unbefestigten Strassen nur 60 km/h fahren. Bei dem Tempo nimmt man aber jede Bodenwelle mit und das Auto würde wohl früher oder später in alle Einzelteile zerfallen. 80 km/h stellt sich für uns als gute Reisegeschwindigkeit heraus.
Als wir am Nachmittag an der Ellenbrae Station ankommen, werden wir herzlich begrüsst. Am Homestead gibt es leckere Scones und Mango Smoothies und der Campingplatz liegt wunderschön im Busch. Trotzdem gibt es Spültoiletten (kein böses Plumpsklo), warme Duschen (das Wasser wird mit einem Holzofen erhitzt) und sogar Spiegel im Badezimmer – welch ein Luxus.

Leider können wir nur eine Nacht bleiben, denn wir wollen noch weiter nach El Questro. Vom Weg dahin sehen wir nicht viel, da wir in der Staubwolke des vorausfahrenden Caravans hängen.

Der Pentecost River mit den Cockburn Ranges im Hintergrund ist das wohl meist fotografierteste Motiv auf der Gibb River Road. Die Wasserhöhe an der Durchfahrt ist auch der entscheidende Faktor, ob die Strasse geöffnet ist oder nicht. Zu Fuss testen ist keine gute Idee, den Fluss nennen zahlreiche Salzwasserkrokodile ihr zu Hause. Im Moment ist es fast komplett trocken, wir sind leicht enttäuscht.
Über El Questro kann man denken was man will, viele halten den Wilderness Park für zu touristisch und überteuert. Allerdings ist das Gebiet der riesigen Rinderfarm wunderschön und bietet viele verschiedene Wanderwege und Allradstrecken. Als wir nach den relativ einsamen Tagen am Parkplatz der Emma Gorge ankommen, trifft uns fast der Schlag. Hier stehen bestimmt 60 Fahrzeuge und die Menschen scheinen in Scharen auf dem Weg unterwegs zu sein. Das Thermometer zeigt auch schon wieder eine Zahl jenseits der 30 Grad Marke an. Da verzichten wir gern.
Wir entspannen lieber im Schatten auf dem Campingplatz, während unsere frisch gewaschene Wäsche in der Sonne trocknet. Denken wir zumindest und haben nicht mit der Cleverness einiger Mitarbeiter gerechnet. Welches Genie stellt bitte einen Rasensprinkler direkt vor die Wäscheleine? Alles wieder nass, ich bin leicht gereizt.
Zum Sonnenuntergang lockt Branco’s Lookout, dazu müssen wir den Pentecost erneut überqueren. Nur ist die Durchfahrt hier 300 Meter breit und das ganze Flussbett voller grober Steine. Was für ein Geschaukel, mehr als einmal schicke ich ein Stossgebet gen Himmel, dass uns hier kein Reifen kaputt geht. Die Fahrt zum Aussichtspunkt ist nicht minder aufregend – steil und mit einer engen Spitzkehre.
Einige Leute starren mit dem Fernglas auf den Fluss unter uns und Tatsache schwimmt da ein sicher 4 Meter langes Salzwasserkrokodil, was wir selbst mit blossem Auge erkennen können. Gruselig! Die Aussicht ist wunderschön und wir kommen mit den Fernglasbesitzern ins Gespräch. Die Frau ist in Zwickau geboren und hat in Chemnitz ungelogen 6 Häuser neben uns gewohnt! Ihre Schwester ist sogar mein Jahrgang. Was für ein Zufall.

Wir blicken über die Cockburn Ranges, den Pentecost und sehen sogar den Homestead, die Unterkunft für die etwas Betuchteren unter uns – ab 2000 Dollar die Nacht zu haben. Da gibt es zum Abendessen sicher keine Pizza und Burger, aber für uns ist das Angebot der Bar fast schon genauso luxoriös.
Ein Besuch der Zebedee Springs sollte auch nicht fehlen. Die Thermalquelle liegt mitten im Wald und bietet unzählige Pools, in denen man sich im 28 – 32 Grad warmen Wasser entspannen kann. Wir haben Glück und sind fast allein hier.

Nur faul herum sitzen geht aber nicht, Beine vertreten ist angesagt. Wir wählen die El Questro Gorge, da der Weg fast komplett im Schatten verläuft. Auf dem Weg müssen wir noch einen etwas tieferen Fluss überqueren. Lieber erst einmal warten, wie tief die anderen versinken.

Und dann selbst fahren:
Die Wanderung war als «moderat» beschrieben, verlangt uns aber Einiges ab. Mehr als einmal müssen wir auf wackeligen Steinen das Flussbett queren. Ständig hat es Felsen im Weg, über die man klettern muss und es ist heiss. Aber auch wunderschön.

Am Halfway Pool ist für uns Schluss, um weiter zu laufen müsste man durch den Pool schwimmen und über einen riesigen Felsen klettern.

Nach der ganzen Anstrengung gönnen wir uns ein Mittagessen im Restaurant. Hier sitzen auch gerade die Kunden von Outback Spirit, die für ihre zweiwöchige Reise weit über 10,000 Dollar bezahlt haben. Und Paul ist in T-Shirt und Unterhose unterwegs, weil er sich zuvor in den Matsch gepackt hat. Wir fühlen uns leicht underdressed.
Am Nachmittag bekommen wir Besuch von der Kinderschar unserer Camping Nachbarn. Die Familie ist in einem Campertrailer unterwegs, um irgendwo in Australien ein neues zu Hause zu finden. Und das Ganze mit 5 Jungs! Nebenbei schreibt die Mutter noch Blog, keine Ahnung wann und ob sie auch schläft.
Und damit ist das Abenteuer Gibb River Road beendet. Wir erhöhen den Reifendruck und haben wieder Teer unter den Rädern.

Das rote Staub wird uns aber noch ein paar Tage begleiten, mehr dazu im nächsten Beitrag.