Die Nacht verbringen wir abermals auf einem Freedom Camping Spot südlich von Dunedin, genauer gesagt in der Brighton Domain. Wir hatten gelesen, dass jüngere Einheimische hier öfter für Ärger sorgen, um ihrem Unmut über die Camper Luft zu machen. Auch wir werden von einem Pick Up ziemlich scharf überholt und mit dem Stinkefinger verabschiedet. Das stösst uns ziemlich sauer auf. Allerdings ist Freedom Camping in Neuseeland in den letzten Jahren zum Reizthema geworden. Man hört allerlei Geschichten von Reisenden, die sich einfach nicht an die Regeln halten können. Da wird der Müll einfach liegen gelassen und der nächste Busch als Toilette benutzt. Wir haben zum Glück noch nichts Derartiges erlebt, aber es gibt immer mehr Councils, die Freedom Camping («Wild Campen») komplett verbieten.
Am Morgen stossen wir, oder besser unser Gefährt, das erste Mal an unsere Grenzen. Wir wollen zum Tunnel Beach Walk, aber finden beim besten Willen keinen Parkplatz. Zähneknirschend wenden wir und steuern immer Richtung Süden, die Catlins sind unser Ziel. Wir landen in Kaka Point, einem kleinen Surfer Dorf, und gönnen uns ein Mittagessen im «The Point». Da der Tag noch reichlich Stunden hat, fahren wir zum Nugget Point. Der Weg zum Leuchtturm ist recht abenteuerlich und Henry hat eine Riesenfreude, immer schön nah an den Klippen zu laufen. Mein Herz!

Auf dem Rückweg halten wir an einem wunderschönen wilden Strand. Die Jungs besudeln sich von oben bis unten mit Sand, wir trinken einen Kaffee – und das Beste: Wir sind ganz allein.
Die nächsten Tage folgen wir der Southern Scenic Route. Unser erster Stopp ist der Tunnel Hill, ein stillgelegter Eisenbahntunnel, durch den man – sehr zur Freude von den zwei kleinen Familienmitgliedern – laufen kann. Es folgen die Purakaunui Falls, angeblich die schönsten oder zumindest meist fotografiertesten (gibt es das Wort überhaupt?) Wasserfälle Neuseelands. Liegt wahrscheinlich daran, dass man nur 10 Minuten durch den Wald spazieren muss.

Die Nacht verbringen wir auf dem DOC Camping in Papatowai, für NZD 20 bekommt man hier sogar Spültoiletten und so etwas wie eine Küche. Wir machen einen kurzen Spaziergang durch das verschlafene Nest und sehen plötzlich jede Menge Autos und Camper am Strassenrand. Hier hat ein etwas Wundersamer Zeitgenosse aus Naturmaterialien allerhand Kurioses gebaut. Die kleine Ausstellung im Caravan ist wirklich interessant.

Am Morgen mahne ich zur Eile, wir wollen die Cathedral Caves besuchen. Die Höhlen sind aber nur 2 Stunden vor und eine Stunde nach Ebbe zugänglich. Blöd, dass sich diese Zeitangaben auf das Tor 2 km vor dem Parkplatz beziehen. Also stehen wir erst einmal eine halbe Stunde an, bevor wir uns auf den 2 km langen Weg hinab zu den Höhlen begeben. Der Weg durch den Wald ist wunderschön, aber wir machen das erste Mal Bekanntschaft mit den Sandflies. Die kleinen Biester sind auf der Südinsel heimisch und können einem das Leben zur Hölle machen. Die Stiche jucken tagelang, besser nicht zu viel Kratzen, das kann böse Infektionen geben. Das einzig Gute ist, dass sie sehr langsam sind und sogar ich eine Chance habe, ihre schier unglaubliche Zahl etwas zu dezimieren.
Die Höhlen am Strand sind wirklich gigantisch, aber barfuss rein zu laufen, war keine gute Idee – KALT! Hier merkt man eindeutig, dass der nächste Stopp Richtung Süden die Antarktis ist.

Auf dem Rückweg überrascht uns Paul und läuft den ganzen Berg nach oben. Was die Aussicht auf ein TimTam (die leckersten Schokokekse der Welt) so alles bewirken kann. Da werden dann auch alle erzieherischen Prinzipien (keine Süssigkeiten am Vormittag) über Bord geworfen.
Da wir schon in der Gegend sind, machen wir auch noch die kurze Wanderung zu den McLean Falls, welche wir übrigens viel schöner als den Wasserfall gestern finden.

Die nächsten zwei Nächte verbringen wir in Curio Bay, für viele das Highlight der Catlins. Es ist aber auch schön hier und wir haben dazu noch den Wettergott bestochen und zwei absolute Traumtage. Der Campingplatz liegt genau zwischen der Curio Bay, Heimat einer Gelbaugenpinguin Kolonie und der Porpoise Bay, einem unendlich langen Sandstrand. Das Sahnehäubchen sind allerdings die Hector-Delfine, welche hier regelmässig in den Wellen surfen.

Nur mit den Pinguinen haben wir weniger Glück. Am ersten Abend kommen wir unvorbereitet in Flip Flops, ein gefundenes Fressen für die Sandflies. Es zeigt sich dann zwar noch ein Pinguin, allerdings am anderen Ende vom Strand. Am zweiten Abend sind wir besser vorbereitet – Socken und lange Hosen lautet die Devise zur Abwehr der kleinen Plagegeister. Aber Pinguine sehen wir leider keine.

Wir geniessen es, dass erste Mal in Neuseeland zwei Nächte am gleichen Ort zu verbringen. Fühlt sich fast nach Urlaub an.