Der «Preis» für den längeren Aufenthalt in Curio Bay ist ein ziemlich langer Ritt am nächsten Tag. Die Wetteraussichten sind eher nass und so beginnt es auch zu tröpfeln, als wir in Invercargill unseren Grosseinkauf erledigt haben. Wir folgen trotzdem weiterhin der «Scenic Route». Trotz Mistwetter gefällt uns diese Ecke Neuseelands richtig gut. Riverton, ein kleines Fischerdorf und Orepuki mit seinem Edelsteinstrand hätten wir gern länger besucht. In Orepuki haben wir auch noch ein spezielles Erlebnis. Beim Mittagessen im Beach Cafe spricht uns plötzlich die Frau vom Nachbartisch an, ob wir aus der Schweiz kommen. Sie ist Australierin, hat aber über 20 Jahre in Deutschland gelebt und den Dialekt erkannt. Henry und Paul verstehen die Welt nicht mehr, als sie plötzlich etwas vom «Chuchichäschtli» erzählt.
Auf der Weiterfahrt nach Manapouri lichten sich die Wolken und geben den Blick auf die umliegenden Berge frei, eine wunderschöne Stimmung. Ursprünglich hatten wir geplant, die Nacht am Lake Manapouri, dem zweittiefsten See Neuseelands, zu verbringen. Aber der Campingplatz liegt ziemlich weit vom Ufer entfernt, also nehmen wir die letzten paar Kilometer nach Te Anau auch noch unter die Räder. Hier läuft die Tourismusmaschine auf Hochtouren, denn die kleine Stadt, welche erst seit den 50er Jahren existiert, ist das Tor zum Milford Sound.

Die Preise für die Campingplätze sind entsprechend gepfeffert, aber wir treffen mit unserer Wahl voll ins Schwarze. Spielplatz, Spielzimmer (Paul: «Papi, können wir nochmal zu dem Spielzeugladen gehen.») und noch dazu schweizer Spielkameraden – die Jungs sind selig. Ausgelassen wird bis spät über das Schiff auf dem Spielplatz getobt. Und wir sind mal wieder erstaunt, wie klein die Welt ist – die Mutter der Familie stammt aus Gossau.
Lange haben wir überlegt, ob wir dem Milford Sound einen Besuch abstatten. In jedem Reiseführer wird er als eines der Highlights in Neuseeland aufgeführt. Aber selbst von Te Anau ist es noch eine der wohl längsten Sackgassen der Welt – 120 km. Die Wetteraussichten sind gut, keine Selbstverständlichkeit bei über 200 Regentagen im Jahr. Wir lassen den unzähligen Reisebussen den Vortritt und fahren die ersten 80 km durch weite Täler und dichte Wälder bis zum «The Divide» Parkplatz. Hier startet der Routeburn Track, eine Mehrtageswanderung, die zu den Great Walks in Neuseeland zählt. Ganz so ambitioniert sind wir nicht. Der Key Summit Track, der zum Grossteil der ersten Etappe folgt, wird als schönste Tageswanderung an der Milford Road beschrieben. Ich habe auch in Erinnerung, dass der Weg als «Easy» eingestuft war. Nun ja, es geht 3,5 km nur bergauf, teilweise wirklich steil. Paul nimmt natürlich wieder den Taxiservice in Anspruch und so sind wir ziemlich fertig, als der Wald endlich den Blick auf die Berge des Fjordlands frei gibt. Und was für eine Aussicht uns hier oben erwartet – das war die Strapazen wert.

Lange verweilen wir nicht, denn es ist trotz Sonnenschein richtig kalt. Den Rückweg läuft Paul fast komplett selbst, diesmal gelockt von Gummibärchen.

Für die Nacht steuern wir den Cascade Creek Campground an, einer der unzähligen DOC Plätze an der Milford Road. Direkt am Fluss und Lake Gunn gelegen, umgeben von Bergen ist der Platz wirklich idyllisch. Wenn nur die Sandflies nicht wären, jedes Mal, wenn wir unsere Fliegentür öffnen, haben wir gleich eine ganze Armee im Camper.

Es ist noch dunkel als wir am nächsten Morgen aufbrechen und mit 5 Grad auch nicht gerade flauschig warm. Das harte Leben eines Reisenden.

Vor uns liegen 45 km Kurven, zunächst bergauf bis zum Homer Tunnel auf 945 m, um dann auf den letzten 20 km wieder auf Meereshöhe zu kommen. Wohl dem, der gute Bremsen hat. Wir finden dieses Stück Strasse spektakulär und könnten alle 50 m anhalten, um ein Foto zu machen. Dafür haben wir aber keine Zeit, denn um 9 Uhr startet unser Cruise. Wir haben uns für die erste Fahrt des Tages mit Mitre Peak, einem Anbieter mit kleinen Booten, entschieden. Goldrichtig, wie wir finden. Die Reisebusse aus Te Anau und Queenstown (es gibt 28 Parkbuchten vor dem Terminal!) kommen erst später am Tag und so geniesst man den Fjord mit relativ wenigen Leuten. Es ist keine Wolke am Himmel zu sehen und die Sonne schiebt sich gerade über die Berge.

Zweimal fährt der Kapitän mit dem Bug unter einen Wasserfall, beim ersten Mal gibt es nur ein paar Spritzer, beim zweiten Versuch eine kostenlose Dusche. Was für ein Spass für alle, die im Trocknen sitzen. (Es gab eine ausdrückliche Vorwarnung.)
Auf der Rückfahrt sehen wir Robben und Delfine, die direkt unter unserem Boot durchschwimmen.

Für einen kleinen Passagier gibt es allerdings ein anderes Highlight.

Die Fahrt hat sich wirklich gelohnt und wir laufen mit einem breiten Grinsen im Gesicht zu unserem Wohnmobilschiff zurück. Jetzt heisst es die 120 km wieder retour nach Te Anau, wo wir einen Kaffee tanken. Paul ist im Land der Träume. Das nutzen wir aus und fahren noch ein paar Kilometer in Richtung Queenstown. Wir finden ein Plätzchen auf dem Mossburn Country Park, ein Camping ganz nach unserem Geschmack. Eine Farm mit Stellplätzen auf der Wiese und viel Liebe zum Detail, wie die Schilder am Toilettenblock zeigen.

Frau bei der „Arbeit“ 
Küche 
Waschsalon 
Mann bei der „Arbeit“
Es gibt auch einige zahme Tiere und einen kleinen Spielplatz. Wir versuchen uns im Gummistiefel-Weitwurf, gar nicht so einfach.
Hier hätten wir es auch länger ausgehalten.

Am Abend sitzen wir in unserer kleinen Idylle und sind zutiefst betroffen über die Nachrichten aus Christchurch. Bei Terroranschlägen auf zwei Moscheen sind 49 Menschen umgekommen. Gerade vor ein paar Tagen hatte ich noch ein Gespräch mit der Parkplatzwärterin bei den Cathedral Caves über die vielen Touristen. Da meinte sie, dass es wohl auch am politischen Klima auf der Welt liegt. Neuseeland gelte für viele als sicherer Hafen, weil es keinen Terrorismus gibt.