Von Mossburn aus geht es weiter Richtung Queenstown, der Abenteuerhauptstadt Neuseelands. Hier fand 1988 der erste kommerzielle Bungy-Sprung der Welt statt und auch heute noch kann man seinen Mut auf alle erdenklichen Arten testen – Fallschirmspringen, Canyonswing, Jetbootfahren oder Rafting – take your pick. Das nötige Kleingeld sollte allerdings vorhanden sein.

Mit zwei kleinen Kindern entscheiden wir uns lieber für den gemütlicheren Teil Queenstowns und verbringen einen Nachmittag im überschaubaren Stadtzentrum. Während bei Fergburger (dem Burger Laden Neuseelands) die Schlange die halbe Strasse hoch reicht, freuen sich die Jungs über eine gescheite Bratwurst. Schon damit wäre der Tag gerettet. Aber die Stadt am Ufer des Lake Wakatipu kann noch mehr. Am Seeufer hat es einen super Spielplatz und direkt daneben kann man bei Patagonia leckeres Eis schlemmen.

Bei unserer Ankunft sind die Berge, die am See steil empor ragen noch wolkenverhangen, aber als es aufklart gibt es kein Halten mehr – da ist ein Bähnli! Leider haben noch zwei, drei andere Leute die gleiche Idee und so müssen wir eine Weile anstehen, bis uns die Skyline Gondola innerhalb von ein paar Minuten auf den Bob’s Peak befördert. Von hier oben hat man eine fantastische Aussicht auf die Stadt, den See und die umliegenden Berge. Ein bisschen Action gönnen wir uns aber doch noch und fahren zwei Runden mit dem Luge.

Was Paul davon hält, ist offensichtlich:

Die Nacht verbringen wir auf dem DOC Camping Twelve Mile Delta etwas ausserhalb der Stadt und die Jungs freuen sich, endlich wieder Baden gehen zu können.

Queenstown ist uns aber zu wuselig, so fahren wir weiter nach Wanaka. Dazwischen gilt es die Crown Range Road zu überwinden. Bei vielen Camper Firmen ist es verboten, die Strasse zu fahren. Können wir nicht ganz nachvollziehen. Ja, die Strasse ist teilweise steil und hat einige enge Serpentinen, aber ist sonst top ausgebaut. Von hier oben hat man mal wieder einen fantastischen Blick auf die Umgebung.

Als wir in Wanaka ankommen, können wir leider noch nicht auf dem Campingplatz einchecken. Desaster, denn auf den billigen Plätzen sitzen zwei hungrige kleine Kerle. Bevor aus hungrig, «hangry» (hungry and angry = hangry) wird, fahren wir schnell zur Lakefront und suchen Futter. Hier gefällt es uns sofort, kleine Cafes, Restaurants und Läden reihen sich aneinander und Live Musik verleiht dem ganzen eine echt tolle Atmosphäre. Die nächsten drei Nächte verbringen wir auf dem Lakeview Holiday Park in Laufnähe zu See und Stadt. Die Idee hatten noch so einige andere Familien, denn abends tobt eine Meute von 10 Kindern über das Hüpfkissen. Allgemeine Sprache: Deutsch. Henry und Paul sind im Paradies.

Wir geniessen es, ein paar Tage am gleichen Ort zu verbringen und vertreiben uns die Zeit mit Baden, Spielen und Wäsche waschen. Nach zwei Tagen Faulenzen wollen wir es dann aber doch noch einmal wissen und brechen zu einer Wanderung im Mount Aspiring Nationalpark auf. Den Rob Roy Glacier Track erreicht man nur über eine 30 km lange Schotterpiste. Das wollen wir unserem treuen Wohnmobil nicht antun und mieten uns ein Allradauto.

Der Grossteil des Weges verläuft durch einen Buchenwald. Zunächst geht es gemütlich zu, aber bald wird der Weg ziemlich steil und wir merken – das wird die bisher anstrengendste Wanderung. Als wir den untern Aussichtspunkt erreichen, sind wir ganz schön fertig, aber der Anblick des Gletschers entschädigt dafür.

Der letzte Kilometer führt über Geröll und teilweise auch grössere Felsen zum oberen Aussichtspunkt und hier sind wir einmal mehr sprachlos – vor uns der Gletscher und überall Wasserfälle, die an den Felsen ins Tal stürzen.

Lang verweilen können wir allerdings nicht, denn wir müssen den ganzen Weg auch wieder zurücklaufen. Wir treffen eine Familie vom Campingplatz und so können wir Paul motivieren, einen Teil des Weges selbst zu gehen. Über Henry sind wir einmal mehr erstaunt – 10 km über Stock und Stein, ohne sich ein einziges Mal zu beklagen. Ein echt toller Tag, den wir mit einem Bad im Lake Wanaka ausklingen lassen.

Leider müssen wir uns dann von Wanaka verabschieden, denn auch sieben Wochen sind nicht unendlich viel Zeit, um Neuseeland zu bereisen. Jetzt wartet die wilde Westküste auf uns.