Die Westküste der Südinsel ist berühmt berüchtigt für Regen … viel Regen. Einige Orte erhalten im Durchschnitt 4000 mm Niederschlag im Jahr, zum Vergleich: In Hamburg sind es 700 mm. Aber wir scheinen die Sonne weiterhin im Gepäck zu haben und so sehen wir auf den nächsten 1000 km nicht einen Regentropfen.
Von Wanaka aus führt der Weg über den Haast Pass nach Westen zur Küste. Die Strecke ist nichts für schwache Mägen, Kurve reiht sich an Kurve. Wir legen einen kurzen Stop an den Blue Pools ein, um uns die Beine zu vertreten. Paul tritt allerdings lieber in Streik, so gehe ich mit Henry allein. Immer die allseits gegenwärtigen Sandflies im Genick wird das Ganze eher ein Run als ein Walk.

Gen Meer ist strahlend blauer Himmel, an den Bergen hängen dichte Wolken. In Bruce Bay machen wir Pause, ein findiger Mensch hat einen Coffee Van an die Strasse gestellt, der auch leckeres Eis verkauft. Es ist neblig, aber das passt irgendwie zu dem wilden Strand auf den wir schauen. Leider ist das auch das Lieblingswetter der kleinen schwarzen Plagegeister (hatte ich schon erwähnt, dass es Sandflies gibt? :-).

Der Strand ist überseht mit weissen Steinen, auf denen Leute Botschaften hinterlassen.

In Fox Glacier suchen wir uns einen Platz zum Übernachten. Genau wie sein Nachbar Franz Josef scheint der Ort einzig und allein dem Tourismus zu dienen. Grund sind die beiden Gletscher, die zu den am niedrigsten über Meereshöhe gelegenen Gletschern mittlerer Breite gelten. Unsere Frankfurter Freunde aus Wanaka warten schon auf dem Campingplatz und die Wiedersehensfreude bei den Jungs ist gross. Abends machen wir noch einen kleinen Ausflug in den Wald, um Glühwürmchen zu sehen. Und tatsächlich, überall leuchtet es. „Mama, das sieht aus wie ein Weihnachtsbaum“
Am Morgen erwartet uns wolkenloser Himmel und damit auch der Blick auf das Bergpanorama hinter uns.

Schon Wahnsinn, jetzt sind wir ein paar Tausend Kilometer gefahren und sehen wieder den höchsten Berg Neuseelands, diesmal von der anderen Seite.
Ging es in Fox Glacier noch gemütlich zu, kommt unser Heli Pilot in Franz Josef voll auf seine Kosten. Hier scheinen die Rotoren nie still zu stehen und die Helikopter heben im Minutentakt ab, um die Leute auf den Gletscher zu befördern.

Beachtet man, dass der Franz Josef Gletscher in den letzten 10 Jahren 1.5 km an Länge verloren hat, sollte man mit der Natur vielleicht etwas anders umgehen. Aber gerade für die zahlreichen chinesischen Touristen ist so eine Schneelandung ein einmaliges Erlebnis, für das auch gut gezahlt wird.
Wir düsen weiter vorbei an unzähligen Seen, Scenic Reserves und One Lane Bridges gen Norden. Die Fahrt scheint heute nicht enden zu wollen, dabei sind es weniger Kilometer als gestern. Und dann machen wir auch noch einen Schlenker über die Hokitika Gorge, eine Schlucht mit unglaublich milchig blauem Wasser.

Unser Campingplatz in Hokitika liegt direkt am Meer und es sind tatsächlich so gut wie alle Familien aus Wanaka wieder versammelt. Ja, an der Westküste gibt es nur eine Strasse. Der Strand ist wahnsinnig schön und es sind sogar ein paar Delfine unterwegs.

Die Gegend zwischen Hokitika und Westport ist für Bergbau bekannt, sowohl Gold als auch Steinkohle zogen im 19. Jahrhundert viele Menschen in die Gegend. Wir machen eine Stop an der Brunner Mine Site, wo das harte Leben der Bergarbeiter sehr anschaulich dargestellt wird.

Dann geht es weiter nach Punakaiki zu den Pancake Rocks, schon fast ein Pflichtstop auf der Route entlang der Westküste.

Die meisten Touristen laufen den kurzen Rundweg und fahren dann weiter, aber dank unseren kleinen, feinen Reiseführers, wissen wir, dass es hier noch viel mehr zu entdecken gibt. Der Pororari River Track führt zwischen schroff aufragenden Kalksteinfelsen am Fluss entlang. Zwischen all den Nikau-Palmen, welche hier heimisch sind, fühlt man sich fast ein bisschen wie in der Südsee.

Jetzt legt die Westküste noch einmal ein Schippe nach, die Strasse nach Norden Richtung Westport ist ein Traum. Der dichte grüne Regenwald scheint direkt ins Meer zu fallen und der Highway schlängelt sich mitten hindurch.

In Westport verbringen wir die Nacht am Carters Beach, noch so einem wilden Westküsten Traumstrand.

Beim Einkauf am nächsten Morgen entdecke ich ein „Bratwurst, Currywurst, German Cakes“ Schild. So eine Gelegenheit lassen wir uns natürlich nicht entgehen, da schauen wir auch dezent darüber hinweg, dass ein Stück Bienenstich (Original mit „Bee Sting“ angeschrieben) schlappe 5 Dollar kostet.
Ab Westport ist die Strasse nach Norden eine Sackgasse, aber an eben genau dieser liegt Neuseelands Drittschönster Campingplatz. (Nummer 1 und 2 sind uns unbekannt). Und dieser Umweg hat sich mehr als gelohnt. Auf dem Weg unternehmen wir noch eine kleine Wanderung und siehe da, unser kleines „Faulchen“ läuft die ersten 3 km ohne jegliches Murren selbst. Der Grund ist offensichtlich – der Wanderweg führt entlang einer alten Eisenbahnschiene. Wo kann man sonst besser Zug spielen?

Auf dem Rückweg lässt er sich dann wieder tragen – durch Tunnel, über Hängebrücken, vorbei am Wasserfall. Ein wirklich schöner und auch informativer Abstecher.
Und dann kommt unser Westküsten und vielleicht Südinsel-Highlight: Die Gentle Annie Campsite. Die Stellplätze haben keinen Strom, die sanitären Anlagen sind eher rudimentär, die Küche spartanisch. Warum also sind wir so begeistert? Das ist Camping, wie wir es mögen: Grüne Wiesen, am Fluss und direkt an einem wilden Strand gelegen. Dreh – und Angelpunkt ist das Cow Shed Cafe, wo es unglaublich leckeren Kuchen und Kaffee gibt.

Hier steht auch der Pizzaofen, in dem man sich abends seine eigene Pizza backen kann. Das Publikum ist bunt gemischt – ältere Leute, Familien und jede Menge junge Reisende. Anscheinend hat sich das auch unter den unzähligen deutschen Touristen herum gesprochen – allgemeine Sprache: Deutsch. Da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die Betreiber des Cafés aus Sachsen kommen, genauer gesagt ist der junge Herr wie ich in Schlema geboren. Zufälle gibt es.
Wir geniessen hier zwei herrliche Tage mit unseren Freunden aus Frankfurt (die verfolgen uns :-), der krönende Abschluss – ein Lagerfeuer am Strand.

Jetzt sitzen wir in der Golden Bay in der Nähe des Abel Tasman Nationalparks und schauen ungläubig auf die Nachrichten. In Franz Josef hat es in den letzten 24 Stunden unglaubliche 700 mm Niederschlag gegeben. Eine 250 m breite Brücke wurde weg gespült, der Highway ist unpassierbar und mehr als 500 Leute sitzen fest.
Patrice du schreibst echt tolle Berichte. Liebe Grüsse an alle und weiterhin so viel Glück mit dem Wetter!!
Lieben Dank! 🙂
Sooo schoen!!!Lagerfeuer!!!:)
Noch ganz viel Spass euch
Ach Neuseeland..:)
Also auf, auf … Flug buchen.