Unsere Zeit auf der Südinsel neigt sich dem Ende entgegen. Für den nördlichen Teil haben wir uns extra eine Woche Zeit aufgespart und jetzt werden wir hier vom schlechten Wetter eingeholt. Und das in der Sonnenstube Neuseelands. Die Einheimischen freuen sich jedoch über jeden Tropfen Regen, denn es ist viel zu trocken. Vor ein paar Wochen hat es in der Nähe von Nelson zudem einen grossen Buschbrand gegeben.
Eigentlich wollten wir von der Westküste bis nach Motueka in der Abel Tasman Region durch fahren. Nach den ganzen Kurven (davon hat Neuseeland nun wahrlich genug) in der Buller Gorge haben wir aber irgendwann keine Lust mehr und landen in Quinney’s Bush Camp. Wir scheinen die einzigen Gäste zu sein, an der Rezeption hängt ein Schild, dass man sich auf einen freien Platz stellen soll. Alles wirkt ein wenig skurril und es ist schade, dass wir in der Nachsaison hier sind, denn der halbe Spielplatz hat schon geschlossen. Aber die Jungs haben trotzdem Spass und als abends völlig überraschend die Frankfurter auf tauchen, ist die Welt wieder in Ordnung.

Als wir am nächsten Morgen unseren Einkauf in Motueka erledigen, spricht uns eine ältere Dame auf dem Supermarkt Parklplatz an und gibt uns tolle Tips für unser nächstes Ziel. Wir werden sie 3 Tage später an genau dieser Stelle wieder treffen und uns für die Empfehlungen bedanken können. Die Strasse über den Takaka Hill hinüber zur Golden Bay ist so kurvig und steil wie noch keine Strasse bisher. Das Wetter wird immer schlechter und wir sind froh, wenigstens noch Labyrinth Rocks ohne Regen besichtigen zu können. Der Besitzer hat mit viel Herzblut einen Irrgarten durch Kalksteinfelsen angelegt und überall ist Spielzeug versteckt, was besonders bei Paul grosse Freude zur Folge hat.

Der Himmel wird immer dunkler und auch der Wind hat schon beträchtlich zu genommen. Die Laune im Camper nimmt auch bedrohliche Ausmasse an. Deshalb fahren wir noch zu den Wainui Falls, werden beim Öffnen der Campertür aber schon fast weg geblasen. Auf den 3 km Wanderweg im Wald ist vom Wind nichts mehr zu spüren, von Henry allerdings auch nichts mehr zu sehen. So rennen wir fast, um den kleinen Gauner wieder einzuholen.

Wir quartieren uns für die Nacht in Takaka, einem Hippie Dörfchen, ein. Der Freedom Camping Platz am Fluss scheint uns bei angekündigtem Starkregen nicht die richtige Wahl. Gegen 10 Uhr abends beginnt es dann auch zu regnen und hört bis am Nachmittag des Folgetages auch nicht wieder auf. Dabei hatten wir für die Golden Bay so viele Pläne. Dafür verbringen wir den Vormittag in einem Super Café inklusive Spielecke und alle sind glücklich.

Danach nehmen wir abermals den Takaka Hill unter die Räder und düsen nach Marahau, das direkt am Startpunkt des Abel Tasman Coastal Track liegt. Wir bleiben 2 Nächte im „The“ Barn, einem Hostel mit Campingplatz.
Wir wollen einen Teil des Wanderweges in Angriff nehmen und lassen uns am nächsten Tag vom Aqua Taxi in der Bark Bay absetzen. Es muss schon lustig aus sehen, wenn ein Boot voller Touristen, alle ausgestattet mit Schwimmweste, von einem Traktor über die Strasse gezogen wird. Die Traktoren dienen dann auch dazu, die Boote ins Wasser zu schieben.

Mit Vollgas brettern wir über die Wellen und die Jungs jauchzen jedes Mal, wenn das Boot auf dem Wasser aufschlägt. Es ist Ebbe, so müssen wir in der Bark Bay ein Stück durchs Wasser waten und wir lernen – kurze Beine geben nasse Hosen.

Begleitet von den Frankfurtern machen wir uns auf den Weg nach Anchorage. Die Wanderung wird für Familien empfohlen und es sei der abwechslungsreichste Abschnitt des Küstenwanderwegs. Nun ja, wir sehen zunächst nur eines – es geht bergauf! Paul checkt die Lage ziemlich schnell und verlangt nach seinem Platz in der Kraxe. Wir können uns nicht wirklich Zeit lassen, denn um 16 Uhr holt uns das Aqua Taxi wieder ab. Dazwischen liegen etwas mehr als 12 km, da wir wegen der einsetzenden Flut einen Umweg von fast 4 km in Kauf nehmen müssen. Kurz überlegen wir bei unserer Rast in Torrent Bay, ob wir die Low Tide Abkürzung doch noch nehmen sollen. Aber dann sehen wir die ersten Wanderer hüfttief im Wasser stehen und Verwerfen die Idee mit Rücksicht auf die kleineren Teilnehmer unserer Wandergruppe.

Die Stunde, die wir brauchen, um aussen herum zu Laufen, fehlt uns leider am Ende zum Baden in Anchorage. Fazit: Es war eine schöne Wanderung mit tollen Aussichten auf die goldgelben Strände und bei Ebbe sicher super mit Kindern, bei Flut leider etwas zu lang. Henry hat uns einmal mehr erstaunt, er wäre sicher noch mindestens weiter 5 km gelaufen.

Dann nehmen wir Abschied von der Region Abel Tasman und fahren Richtung Malborough Sounds. Eigentlich wollten wir eine Nacht auf einem DOC Camping tief in den Sounds verbringen, aber das wären mindestens 2 Stunden extra Fahrzeit. Dann doch lieber 2 Nächte Smiths Farm in Linkwater – goldrichtige Entscheidung. Zur Begrüssung gibt es selbstgemachte Muffins und eine kleine Schatzkarte für eine abendliche Wanderung. Und dann steht da noch ein Pizzaofen. Der gehört Kerstin, einer deutschen Auswanderin, die seit 18 Jahren in der Gegend lebt. Sie zaubert uns ein fantastisches Abendessen. (Am nächsten Tag stehen wir wieder in der Schlange.)

Kurz bevor es dunkel wird, machen wir uns auf den Weg. Zunächst über die Weiden, wo die Rinder der Farm grasen.

Dann geht es in den Wald auf einem schmalen Pfad über Stock und Stein Richtung Wasserfall. Aber der ist heute Abend nicht unser Ziel. Als es dunkel ist, sehen wir sie – Glühwürmchen! Immer wieder faszinierend. Paul ist immer noch grummelig, so geht Werner schon mal vor. Zum Glück habe ich Henry dabei. Mehr als einmal zweifle ich auf dem Rückweg durch den stockdunklen Wald, ob wir noch richtig sind. Er stapft munter vorraus „Keine Sorge Mama, ich weiss wo es lang geht.“

Am nächsten Morgen heisst es dann endgültig Abschied nehmen von den Frankfurtern, fast zwei Wochen waren wir mehr oder weniger zusammen unterwegs und hatten eine tolle Zeit. Für sie geht es jetzt zurück nach Christchurch, für uns in Richtung Fähre. Einen kleinen gemeinsamen Ausflug machen wir noch. Wir gehen den ersten Teil des Queen Charlotte Tracks, einem weiteren der Great Walks.

Es ist ein schöner Spaziergang zu einer kleinen Badebucht und Paul läuft die 5 km selbst.

Den Wecker am nächsten Morgen hätten wir nicht gebraucht. Um fünf geht der Feueralarm irgendwo in der Nachbarschaft und wir sitzen im Bett. Dem entsprechend sind wir auch überpünktlich in Picton an der Fähre. Wir haben einmal mehr absolutes Traumwetter. Die erste Stunde gleicht einer kleinen Kreuzfahrt durch die Malborough Sounds. Mehr als einmal macht unser Schiff eine 90 Grad Wende, um in die Cook Strait, die Meerenge zwischen den beiden Hauptinseln Neuseelands, zu gelangen.

Und zack ist Halbzeit – Halbzeit für Neuseeland, aber auch Halbzeit für unsere Reise. Unglaubliche 90 Tage sind wir schon unterwegs, so viel haben wir erlebt, dass einige Erinnerungen schon wieder verblasst sind. Wir geniessen es, jeden Tag frei entscheiden zu können, was und wann wir es machen. Da wartet kein Büro oder Schulbus. Natürlich herrscht nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen, wenn man plötzlich 24 Stunden am Tag auf kleinstem Raum miteinander verbringt. Aber auch diese Momente gehören zu unserem kleinen Abenteuer dazu und lassen uns als Familie weiter zusammen wachsen.