Tanz auf dem Vulkan

Wellington, die Hauptstadt Neuseelands empfängt uns mit herrlichem Spätsommerwetter. Das ist nicht selbstverständlich, denn immerhin haben wir es hier mit der windigsten Stadt der Welt zu tun. Aber nichts zu spüren von «Windy Welly». So sind wir guter Dinge, als wir auf den Parkplatz neben dem Te Papa Museum zusteuern. Hier kann man für 30 Dollar 24 Stunden stehen und die Stadt erkunden. Sonntag findet hier jedoch ein toller Farmers Market statt und genau jener macht uns jetzt einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Offiziell 14 Uhr vorbei, sind um 14:15 Uhr die Stände natürlich noch nicht abgebaut und dem zu Folge auch kein Platz zum Parken vorhanden. In einer Stunde sollen wir wiederkommen, dann sei es besser. Wir sind erst einmal bedient und quälen uns weiter durch den Innenstadtverkehr. Wir fahren immer am Wasser entlang, fast bis zum Flughafen, bevor wir einen Platz zum Wenden finden und uns irgendwo an die Strasse stellen. Kurz vor 16 Uhr sind wir wieder am Parkplatz und siehe da, wir haben die Qual der Wahl.

Am Ziel unserer Träume angekommen

Durch die verlorene Zeit müssen wir unsere Stadtbesichtigung etwas abkürzen und konzentrieren uns auf das Wesentliche – Eis essen und Bähnli fahren.

Wellington Cable Car

Eingefasst zwischen Meer und Bergen kommt Wellington recht hipp daher. Viel Street Art, ausgefallene Shops und Restaurants in Hülle und Fülle. Wir entscheiden uns gegen Nudeln aus der Camper Küche und gehen stattdessen zum Asiaten. Ein Experiment mit unserem heiklen Esser Henry, aber es glückt und er isst zufrieden Butter Chicken und Reis.

Das Wetter am nächsten Tag ist dann leider kein Aprilscherz, die nächste Front von der Südinsel naht und es regnet fast waagerecht.

Was könnte es Spannenderes geben

Wir springen die wenigen Meter bis zum Te Papa Museum und tummeln uns die nächsten zwei Stunden hier mit allen anderen Touristen. Das Nationalmuseum ist kostenlos, es gibt aber auch immer wieder kostenpflichtige Sonderausstellungen. Leider wird der naturhistorische Bereich, der unter anderem auch über Vulkane und Erdbeben informiert, bis Mai 2019 renoviert. Aber die Jungs haben ja ihre künstlerische Ader entdeckt (Wir mussten schon 500 Blatt Kopierpapier kaufen, weil ständig gemalt wird) und so bastelt Paul, während Henry vom Kaleidoskop fasziniert ist.

Toi Art Bereich im Te Papa

Da keine Wetterbesserung in Sicht ist, brechen wir gen Norden auf und nutzen den Tag zum Tanken, Einkaufen und Dumpen.

Auch bei Regen stets im Einsatz – Gas, Wasser, Sch… Junior

Wir steuern einen Freedom Camping Spot an der Kapiti Coast an. Am Waikanae River Mouth gibt es 4 Stellplätze und wir haben Glück und ergattern den Letzten. Während der Regen an die Scheibe prasselt, geniessen wir Kaffee und Kuchen und spielen ein wenig. Abends laufen wir noch kurz zum Strand und Fluss. Hier ist es richtig schön.

Hier hätte es so ein, zwei Häuschen, die uns gefallen

Am Morgen strahlt die Sonne wieder in alt bewährter Manier vom Himmel, aber es fehlen eindeutig ein paar Grad zu den Sommertemperaturen der letzten Wochen. Der Herbst hat endgültig Einzug gehalten. Bevor wir weiterfahren, gehen wir noch auf Kiwi Suche. Im Nga Manu Wildlife Reserve finden bedrohte und verletzte Vögel ein neues zu Hause. Im Nachthaus gibt es zwei Kiwis. Das Nationaltier der Neuseeländer ist nachtaktiv und wir haben Glück und können zwei der putzigen Kerlchen bei der Nahrungssuche beobachten.

Kiwi

Unser Tagesziel für heute ist Whanganui, eine Kleinstadt an der Westküste. Hier gibt es einen der grössten Spielplätze Neuseelands und der wird auch ausgiebig getestet. Der Schnüffeltest hat ergeben, dass mal wieder eine Dusche fällig ist. Der Top10 Holiday Park ist zwar wie üblich bei dieser Kette, recht preis intensiv, bietet aber alles was der Camper braucht. Es gibt sogar einen beheizten Pool, den die Jungs all zu gern testen würden. Aber die Aussentemperaturen lassen das leider nicht zu. Stattdessen bettelt Henry so lang, bis wir ein kleines Trike ausleihen.

Gut investierte 5 Dollar

Abends hört man die Jubelschreie angesichts der ersten Badewanne seit Fremantle wahrscheinlich durch die ganze Stadt.

Die Routenwahl für die nächsten Tage wollen wir vom Wetter abhängig machen. Für die Region um den Mount Taranaki, den über 2600 m hohen Vulkan, sieht es gut aus. Bei der Mittagspause in Patea Beach, wo wir die Füsse in den warmen tiefschwarzen Strand stecken, stelle ich fest, dass ich unser Schneidebrett auf dem letzten Campingplatz ausgesetzt habe. Musste ja irgendwann passieren.

Beach Fun

Als wir unser Nachtlager am Dawson Falls Visitor Centre auf 900 m Höhe erreichen, zeigt das Thermometer noch flauschige 12 Grad an. Die Tasche mit den warmen Sachen wird aus den Tiefen des Stauraums hervorgezogen. Wir nehmen den Wilkies Pools Loop Track in Angriff. Der Wald ist so mit Moos bewachsen, dass man das Gefühl hat, in einem Meer aus grün zu stehen. Der Weg ist schön abwechslungsreich, inklusive Hängebrücke und Flussquerung über Steine. Paul hat leider keinen guten Tag und reitet lieber auf Papas Schultern.

Wilkies Pools

Zurück auf dem Parkplatz, stellen wir fest, dass die Familie im Camper neben uns auch aus der Schweiz ist. Genauer gesagt aus Flawil, 15 Minuten von Schwellbrunn entfernt. Damit hat nun wirklich keiner gerechnet, dass wir ausgerechnet hier oben neue Spielgefährten finden. Henry tobt bis spät mit dem Jungen der Familie über den Platz.

Am nächsten Morgen stecke ich pünktlich zum Sonnenaufgang die Nase aus dem Camper. War der Taranaki gestern Nachmittag noch komplett wolkenverhangen, präsentiert er sich jetzt in seiner vollen Pracht. Die Fotosession fällt allerdings bei 3 Grad Aussentemperatur eher kurz aus.

Sonnenaufgang Taranaki

Dann heisst es wieder Abschied nehmen vom grossen Berg und den neuen Freunden. Wir wollen uns über den Forgotten World Highway nach Osten zum Tongariro Nationalpark «durchschlagen». Früher lebten in dieser Gegend von Neuseeland viele Menschen, heute ist die grüne Hügellandschaft gezeichnet von verlassenen Bauernhöfen. Auf den 155 Kilometern von Stratford nach Taumarunui gibt es weder Supermärkte noch Tankstellen.

Grüne Hügel soweit das Auge reicht

Für unsere Mittagspause halten wir in Whangamomona. Das Örtchen rief nach Streitigkeiten über die lokale Zugehörigkeit 1989 kurzerhand die Unabhängigkeit aus. Im Hotel kann man sich gegen eine kleine Spende sogar einen Passstempel abholen. Oder man spielt eine Runde im «Presidential Park»

Spielplatz im „Ausland“

Wir unterbrechen die Fahrt für eine Nacht auf dem Bushlands Campground, der nur über 6 km Schotterstrasse zu erreichen ist. Diesmal bin ich diejenige die jubelt – eine kostenlose Waschmaschine. Was einen so alles glücklich machen kann. Die Stellplätze gehören zu einer kleinen Farm. Früher lebte die Familie nur von Rindern und Schafen. Mittlerweile gibt es auch noch Tausende Honigbienen, die den weltbekannten Manuka Honig produzieren und eben den Campingplatz. Wir kommen ein wenig mit dem Besitzer ins Plaudern und erfahren somit einiges über die Lebensumstände in dieser abgelegenen Gegend.

Der Rasenmäher ist auch unterwegs

Bevor wir am nächsten Morgen aufbrechen, laufen wir noch zu einer Schlucht auf dem Farmgelände. Als wir aus dem Wald treten, können wir kaum glauben was wir sehen. Eine riesige Wiese umringt von hohen Felswänden und mittendrin weisse Wildpferde. Wirklich wunderschön hier.

Wildpferd Canyon

Heute erwartet uns der spannendste Teil der Fahrt. Zunächst durch den 180 m langen einspurigen Moki Tunnel.

Gerade so durch gepasst

Dann folgen 12 km Schotterpiste durch die Tangarakau Gorge. Die Strasse fällt links und rechts ziemlich ab und als aus der Gegenrichtung ein Auto etwas knapp um die Kurve kommt, kann sich der Campervan vor uns nur knapp auf der Piste halten.

Wir verpassen leider den Aussichtspunkt mit Blick auf die Vulkane des Tongariro Nationalparks, das werden wir später noch bereuen. Je näher wir der Gegend kommen, desto dunkler wird der Himmel. Von Bergen keine Spur, wir sehen nur tiefhängende Wolken. Das Wetter verheisst für die nächsten Tage nichts Gutes und so sitzen wir etwas planlos auf der Mangawhero DOC Campsite.

Wir sind fast allein hier

Es wird wieder eine kalte Nacht, trotzdem brechen wir am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück auf. Wir fahren hinauf zum Turoa Skifield am Fusse des Mount Ruapehu, dem höchsten Berg und einem der aktivsten Vulkane der Nordinsel. Hier oben sieht es aus wie auf dem Mond und wir erhaschen beim Frühstück sogar den ein oder anderen Blick auf den Berg, der fast komplett aus den Wolken kommt.

Frühstück auf dem Mond

Ganz unverrichteter Dinge wollen wir den Nationalpark nicht verlassen. Der Waitonga Falls Track erscheint uns mit jeweils 2 km hin und zurück die richtige Wahl. 1 Stunde 30 Minuten sind als Gehzeit angegeben. Paul legt allerdings ein Tempo vor, bei dem wir eher 3 Stunden brauchen. Das ändert sich aber, als wir aus dem Wald kommen und das Hochmoor durchqueren. Der Holzsteg wird als Schiene genutzt und schon düsen zwei ICEs gen Wasserfall.

Zug!

Der höchste Wasserfall des Nationalparks ist nicht besonders spektakulär, aber dafür geniessen wir ihn fast allein. Nur die 205 Stufen auf dem Rückweg hätten jetzt wirklich nicht sein müssen.

Waitonga Falls

Da die Wolken immer noch jegliche Sicht auf die Vulkane versperren und sich das in den nächsten Tagen auch nicht ändern soll, brechen wir schweren Herzens Richtung Taupo auf.

Rangipo Desert Road

In Turangi legen wir noch einen kurzen Zwischenstopp ein. Werner geht mit den Jungs ins Volcanic Activity Centre und kommt mit der Nachricht zurück, dass man in der Region Kaikoura mit 99% Wahrscheinlichkeit innerhalb des nächsten Jahres ein Erdbeben der Stärke 5 – 5.9 erwartet. Es war mir nicht bewusst, dass die Vorhersagen so genau sind. Vielleicht sollte ich mich mal wieder etwas Bilden, statt die Zeit im Waschsalon inmitten eher zwielichtiger Gestalten zu verbringen. Paul hat leider letzte Nacht das Bett gewässert und wir brauchen trockene Bettwäsche.

Das Highlight von Turangi

Südlich von Taupo suchen wir uns an der Five Mile Bay einen Platz in der Freedom Camping Area. Die Jungs sind mal wieder völlig ausser Rand und Band, besonders Henry testet seit Tagen unsere Geduld. Das gepaart mit den vielen Kilometern der letzten Woche ist das Rezept für Stress im Camper.  

Dunkle Wolken über Taupo

Dank der Umstellung auf Winterzeit bekommen wir eine Stunde extra Schlaf geschenkt und so sieht die Welt am nächsten Morgen schon wieder besser aus.

Mami, wenn wir die Vulkane nicht sehen, bauen wir uns halt selbst einen

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