Mir stinkt’s!

Taupo lassen wir links liegen und fahren weiter Richtung Norden. Einen kurzen Halt an den Huka Falls machen wir aber noch. Der Waikato, der normalerweise 100 Meter breit ist, wird hier durch eine ca. 15 Meter breite Stelle gepresst.

Huka Falls – 220.000 Liter Wasser pro Sekunde

Wir haben für heute Nacht schon einen Campingplatz in der Nähe von Rotorua reserviert und wollen uns auf dem Weg eines der vielen Geothermalgebiete anschauen. Das Angebot an Parks wo man Geysire, farbenfrohe Gewässer und brodelnde Schlammlöcher bewundern kann, ist schier unendlich. Wir tun uns sehr schwer, etwas Geeignetes auszuwählen. Am Ende fahren wir recht spontan nach Orakei Korako. Das «Hidden Valley» liegt etwas abseits der üblichen Route. Hier können wir auch Pauls Wunsch, noch einmal mit einem kleinen Boot zu fahren, nachkommen (die Fähre war da ausdrücklich zu gross). Zunächst einmal müssen wir aber einen gröberen Wutanfall ausstehen, weil der kleine Mann nicht sofort bei Ankunft abgeschnallt wurde.

Erste Attraktion – der Parkplatz

Schon von der Fähre aus, die uns über den kleinen See bringt, sieht man es überall in der Landschaft dampfen.

Orakei Korako

Wir verbringen eine spannende Stunde zwischen Sinterterrassen, dampfenden Quellen und Schlammlöchern. Gott sei Dank gibt es noch keine Geruchsbilder, sonst wäre das jetzt nicht so fein.

Der allgegenwärtige Schwefelgeruch

Dann geht es weiter zum Waikite Valley, das Thermalbad hat praktischerweise auch einen Campingplatz. Kaum ist der Camper geparkt, sind wir auch schon im herrlich warmen Wasser zu finden. Nur leider ist das Baden hier mit unseren zwei kleinen Tornados nicht ganz so entspannend. Es handelt sich um Thermalwasser, in dem sich mitunter auch Amöben befinden, die über Nase oder Ohren ins Gehirn gelangen und recht grossen Schaden anrichten könnten. Keine Ahnung wie oft an diesem Nachmittag «Kopf über Wasser halten» zu hören ist. Abends gibt es dann noch ein rechtes Gewitter.

Nahendes Gewitter

Die Anlage darf am Morgen von den Campern bereits ab 6 Uhr benutzt werden, also nehmen wir bereits vor dem Frühstück noch einmal ein Bad.

Entspannung in den Hotpools

Vor der Weiterfahrt gibt ein kleiner Spaziergang Auskunft über den Ursprung des Wassers. Aus der Te Manaroa Quelle sprudeln pro Sekunde 40 – 50 Liter 98 Grad heisses Wasser. Damit ist sie die grösste Thermalquelle Neuseelands. Wir sehen nichts ausser heissem Dampf und sind wirklich sprachlos.

Te Manaroa Quelle

In Rotorua wollen wir nur kurz Mittagspause machen. Erster Stopp, eine Schweizer Bäckerei. Wir sind im Himmel und geben 35 Dollar! für Brot, Nussgipfel und eine Cremeschnitte aus.

Papi, darf ich bitte auch etwas haben?

Fast jeder Neuseelandtourist, der die Nordinsel besucht, kommt auch nach Rotorua. Zum einen wegen der Geothermalgebiete zum anderen aber auch, um einen Einblick in die Maori Kultur zu erhalten. Mehr als ein Drittel der Einwohner bezeichnet sich als Maori. Man fragt sich allerdings, wo das ganze Geld aus dem Tourismus landet. Die Stadt wirkt heruntergekommen, die Arbeitslosenquote ist relativ hoch und die Kriminalitätsrate ebenso. Wir parken auf dem Freedom Camping Platz in der Stadt und machen einen kurzen Spaziergang um die Sulphur Bay des Lake Rotorua. In diesem Teil des Sees ist der Schwefelgehalt besonders hoch, das riecht man zum einen und sieht es auch an der milchigen Trübung des Wassers.

Sulphur Flats

Überall am Ufer sind Löcher im Boden, aus denen es dampft und übel riecht. Mehr als einmal müssen wir die Jungs ermahnen, nicht über die Absperrung zu klettern. Da machen prompt zwei asiatische Touristen genau das, laufen zielgerichtet auf eines der Löcher zu und fischen einen Plastikbeutel mit Eiern heraus. So kann man sein Mittagessen auch zubereiten.

Eigentlich wollten wir heute noch Richtung Küste aufbrechen, aber als wir wieder auf dem Parkplatz sind, steht dort ein bekanntes Wohnmobil. Die Flawiler Familie ist auch da. An eine Weiterfahrt ist nicht mehr zu denken. So beschliessen wir, alle zusammen Richtung Stadtpark zu laufen. Natürlich fängt es an, in Strömen zu regnen und wir bereuen unseren Entscheid bereits wieder. Dann hat der Wettergott aber Erbarmen und wir können die Regenjacken wegpacken. Im Kuirau Park gibt es ebenfalls unzählige dampfende Erdlöcher. Die Kinder springen aufgeregt von einem zum anderen. Teilweise sind sie auch nicht einmal umzäunt.

Mal schauen, wie heiss das ist

Wir spazieren am See zurück und passieren dabei Ohinemutu, einen Stadtteil, in dem die Maori noch relativ traditionell leben. Hier ist die geothermale Aktivität noch viel mehr präsent. In den Hinterhöfen garen die Speisen in den Hangis (Erdöfen) und wir sehen kochendes Wasser aus Gullideckeln brodeln.

Ohinemutu – Maori Kultur hautnah

Das war ein echt schöner Nachmittag, auch wenn wir kurz vor der Ankunft am Camper noch einmal geduscht werden, mitten im spektakulären Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang in Rotorua

Rotorua wird für uns immer als der Ort in Erinnerung bleiben, wo es beim Öffnen der Camper Tür draussen schlimmer riecht als drinnen.

Wir sind einmal mehr ratlos, wie die Reise weiter gehen soll. Noch haben wir etwa zwei Wochen Zeit, bis wir das Wohnmobil in Auckland abgeben müssen. Die Coromandel Halbinsel und das Northland, die Region nördlich von Auckland stehen noch auf dem Plan. Aber zunächst brauchen wir eine kleine Pause. Bis jetzt haben wir auf der Nordinsel noch an keinem Ort mehr als eine Nacht verbracht und das macht sich bemerkbar. Wo es uns hin verschlagen hat erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag.

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