Beachtime

Auf geht es in Richtung Coromandel Halbinsel. Eigentlich wollten wir an der Bay of Plenty entlang fahren. Aber der Wunsch, mal wieder mehr als eine Nacht an einem Ort zu verbringen, ist grösser. Deshalb nehmen wir den Weg durch das Hinterland von Waikato. Es wird ein recht langer Fahrtag und so haben wir zwei kleine Pausen zum Beine vertreten geplant.

An den Blue Springs hat Paul mal wieder so gar keine Lust zum Laufen und die Stimmung ist leicht explosiv. Der Blick auf das wunderbar blaue Wasser der Quelle besänftigt uns aber wieder.

Blue Springs

Der zweite Stopp des Tages ist da schon mehr nach seinem Geschmack. Zunächst schafft es der kleine Mann allerdings, den Rückspiegel zu demontieren und auf den Boden zu werfen. Das übersteht das gute Stück leider nicht unbeschadet. Das werden wir wohl bezahlen dürfen.

Auf dem Karangahake Gorge Windows Walk folgen wir den Spuren der Goldgräber. Zunächst geht es entlang der Schienen.

Da kann man sogar im Eiltempo den Hügel hoch

Dann geht es durch die Tunnel einer alten Goldmine, unterwegs gibt es vier Fenster, aus denen wir auf die tief unter uns liegende Schlucht schauen. Ansonsten ist es stockdunkel und wir sind froh, Taschenlampen dabei zu haben.

Mein Lichtminister

Zurück geht es auf der gegenüber liegenden Flussseite, immer am Felsen entlang. Nach knapp zwei Kilometern sind wir wieder am Parkplatz und alle begeistert. Das war richtig toll.

Unser Ziel für die Nacht ist Waihi Beach. Der Campingplatz ist zwar der mit Abstand teuerste unserer Reise, aber auch einer der schönsten. Neben einem Spielplatz gibt es auch ein Spielzimmer, einen beheizten Pool mit Whirlpool und wir sind direkt am Strand. Die Jungs sind völlig aus dem Häuschen. Unsere Camping Nachbarn kommen uns sehr bekannt vor. Die australische Familie haben wir vor 4 Wochen auf dem Campingplatz in Te Anau kennen gelernt und danach noch einmal kurz auf einem Spielplatz getroffen. Im Laufe der nächsten zwei Tage stellen wir ausserdem fest, dass wir auf dem gleichen Flug von Perth nach Christchurch waren. Zufälle gibt es. Wir geniessen herrliches Spätsommerwetter und somit wird der kleine Ferienort zu einem unserer Highlights der Nordinsel.

Waihi Beach – wahnsinnig viele Muscheln

Die Campingküche bleibt kalt und wir holen Fish & Chips von einem kleinen unscheinbaren Laden an der Ecke. Sehr lecker und für nicht mal 25 Dollar sind alle satt.

Die Verpackung (oder besser das Gesicht darauf) lies Gott Sei Dank nicht auf die Qualität des Inhaltes schliessen

Da für den nächsten Tag Regen angesagt ist, fällt uns der Abschied etwas leichter. Als wir in Waihi in die Martha Goldmine blicken, fallen bereits die ersten Tropfen. Der Goldbergbau ist stark in Coromandel verwurzelt, die Mine in Waihi eine der ergiebigsten des Landes. Der Widerstand der Bevölkerung ist jedoch massiv, überall auf der Halbinsel findet man „No Mining“ Schilder.

Martha Mine Waihi – der Tagebau wurde nach einem Erdrutsch geschlossen, jetzt geht es unterirdisch weiter

Über Thames fahren wir an die Westküste. Die dunklen Wolken entladen sich in einem heftigen Regenguss. Danach bricht aber schon wieder die Sonne durch und wir geniessen die Fahrt auf dem Highway, der immer direkt an der Küste entlang läuft.

Küstenstrasse von Thames nach Coromandel Town

Wir sind guter Dinge und buchen eine Fahrt mit der Driving Creek Railway in Coromandel Town. Das Grundstück, auf dem sich die Schmalspurbahn befindet, wurde 1961 von dem ehemaligen Lehrer Barry Brickell erworben. Die Bahn baute er ursprünglich, um Lehm und Holz für seine Töpferei ins Tal zu transportieren. Für den Bau kämpfte er sich mit einer Machete bewaffnet durch den Dschungel.

Schienen mitten im Urwald

Immer mehr Menschen wollten mit dem Zug fahren und letztendlich baute Barry die Strecke für den Tourismus aus. Auf 2,7 km Strecke gilt es einen Höhenunterschied von 110 Metern zu überwinden.

Gerade als wir in unseren Zug einsteigen, öffnet der Himmel seine Schleusen und es regnet so stark, dass wir selbst unter dem Dach nass werden. Trotzdem ist die einstündige Fahrt ein tolles Erlebnis, vor allem natürlich für unsere kleinen (und grossen) Eisenbahnfans.

End of the Line – eine der 5 Spitzkehren – über dem Abgrund

Die Nacht verbringen wir auf einem Freedom Camping Platz in Coromandel Town, bevor wir am nächsten Morgen die Halbinsel erneut queren – zurück an die Ostküste. Der Sonne entgegen – denken wir zumindest. Unser Ziel ist der Otama Beach, ein abgelegener Strand nördlich der Touristenmagneten Whitianga und Hahei. Man könnte meinen wir sind in der Karibik so weiss ist der Sand und türkis das Wasser. Aufgeregt springen wir aus dem Wohnmobil, nur um 3 Minuten später in selbiges zurück zu flüchten. Der Regen klebt uns wohl an den Fersen. Keine Viertelstunde später scheint wieder die Sonne und wir geniessen unser kleines Paradies. Mit uns sind nur eine handvoll Menschen hier.

Otama Beach

Praktischerweise gibt es im nächsten Dorf ein Restaurant, welches sehr leckere Pizza serviert. Den Tipp haben wir von einer Einheimischen auf dem letzten Campingplatz erhalten. Sonst wären wir sicher daran vorbei gefahren.

Pizza!!!

Richtung Süden warten mit der Cathedral Cove und Hot Water Beach die wohl bekanntesten Orte von Coromandel. Aber wir haben keine Lust auf Menschenmassen und suchen uns lieber ein Plätzchen auf dem Freedom Camping in Cooks Beach und verbringen den Nachmittag am Strand.

Cooks Beach

Freedom Camping, bei uns als „wild campen“ bekannt, ist auf der Nordinsel viel einfacher. Wahrscheinlich auch, weil hier weit weniger Touristen unterwegs sind. Trotzdem müssen wir immer wieder den Kopf schütteln, wie respektlos manche Menschen sind. So auch hier wieder – es gibt neun klar gekennzeichnete Plätze, trotzdem stehen am Morgen sechs weitere Fahrzeuge an einer Stelle wo man ganz klar nicht campen darf. Kein Wunder, dass der Unmut in der Bevölkerung immer grösser wird. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis das wild campen auch in Neuseeland gänzlich verboten wird.

Lange haben wir überlegt, ob wir noch ins Northland fahren sollen. Eigentlich war die Entscheidung dagegen gefallen, aber mehr als einmal wurde uns ans Herz gelegt, auch diese Gegend zu besuchen. Deshalb verabschieden wir uns von Coromandel und brechen Richtung Auckland auf. Wir haben jetzt noch 8 Tage, bis wir unser Wohnmobil abgeben.

Vor der langen Fahrt, brauchen Henry und ich noch etwas Bewegung und wir erklimmen den Mount Paku in Tairua. Unser kleiner Wanderbursche springt in gewohnter Manier in Windeseile nach oben. Wie sagte eine Frau letztens so schön „I wish you could bottle that energy“

Blick vom Mount Paku – auf dem Parkplatz steht das Wohnmobil

Die Fahrt nach Auckland ist recht eintönig, aber dank Wochenende haben wir fast keinen Verkehr. Paul braucht dringend eine neue kurze Hose und so quälen wir uns mit unserem Monster auf den Parkplatz eines Einkaufszentrums. Aber auch hier Fehlanzeige – die Winterkollektionen haben die Oberhand. Statt dessen spazieren wir mit einer Ladung neuer Spielzeugautos zurück. Ziel verfehlt würde ich sagen.

Wir übernachten nordwestlich von Auckland am Muriwai Beach. Der Campingplatz liegt direkt hinter den Dünen des bei Surfern und Kitesurfern beliebten Strandes. So pfeift uns der Wind auch gehörig um die Ohren, als wir die Wellenreiter im Licht der untergehenden Sonne beobachten.

Kitesurfer am Muriwai Beach

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