Nach sieben Wochen ist es soweit, wir müssen uns von unserem lieben Wohnmobil trennen. Aber nicht ohne noch ein letztes Mal die Dumpstation zu besuchen. Das ist sicher eine der Aufgaben, die Werner weniger vermissen wird. Wilderness hat am Leeren der Toilette auch nicht viel Freude wie es scheint, es würde mit 250 Dollar extra zu Gebühr schlagen.
Wir waren mit unserem fahrenden zu Hause und der Vermietung sehr zu frieden. Mehr als einmal wurde ein neidischer Blick in das Innere unseres Schätzchens geworfen. Wir hatten das Modell Peak 4 von Wilderness gewählt. Hierbei handelt es sich um ein europäisches Wohnmobil, welches auch entsprechend isoliert ist. Ein bei Temperaturen nahe am Gefrierpunkt nicht zu verachtender Faktor. Beim zweiten Bett handelt es sich um ein Hub Bett, wodurch der Alkoven wegfällt. Auch das ist in unseren Augen ein Vorteil beim Fahrkomfort. Wie schon in den Berichten zuvor angedeutet, geizt Neuseeland nicht mit Kurven. Und so ein «Alkoven Monster» von Maui, Britz oder Apollo schaukelt da einfach viel mehr.

Das Wohnzimmer 
5 Sterne Küche 
Rumpelkammer 
Mama und Papa haben auch ein Bett 
Schlafzimmer der Jungs
Auch Wilderness ist nicht ganz fehlerfrei. Aus unerklärlichen Gründen gibt es weisse Handtücher. Fast alle neuseeländischen Waschmaschinen kennen aber bekanntlich nur Kaltwäsche. Da könnt ihr euch vorstellen wie die guten Stücke nach sieben Wochen ausgesehen haben. Und die Küche ist nichts für kleine Leute, auch mit Recken und Strecken gab es keine Chance für mich, an die Gläser ganz oben im Schrank heran zu kommen. Gut das die Weingläser weiter unten waren, da hat jemand mitgedacht.

Bei allem Abschiedsschmerz freuen wir uns aber auch auf die letzten vier Tage in Neuseeland bei unseren Freunden Bene und Matt in Whangaparaoa, einer Halbinsel ca. 25 km nördlich von Auckland. Sie sind vor über vier Jahren von England ausgewandert. Wir haben zunächst etwas Mühe, die Zufahrt zu ihrem versteckten Haus zu finden. Die Wiedersehensfreude ist gross, die Jungs entdecken die Lego Kiste und so verbringen wir einen entspannten Nachmittag und Abend. Die Kinder springen jeden Tag in den Whirlpool, was für ein Spass. Am nächsten Morgen um sechs steht einer am Bett und möchte Ostereier suchen. Das wäre fast zum Desaster geworden. Mitten im Reisemodus hatten wir fast vergessen, das Ostern ist. Am Ostersamstag Schokolade kaufen zu wollen, ist keine so gute Idee. Es hatte absolut nichts mehr und ich sehe mich schon zwei enttäuschten Gesichtern gegenüber. Zum Glück hatte Bene vorgesorgt. Und so folgen vier aufgeregte kleine Geister den Hinweisen des Osterhasen, die er überall im Garten versteckt hat.

Dann geht es «Kiwi Style weiter» – am Strand. Oder sagen wir besser an einem der Strände, davon gibt es hier nämlich sehr viele.

Am Nachmittag machen wir noch einen Ausflug ins Shakespeare Reserve an der Spitze der Halbinsel. Der Wasserfall führt leider überhaupt kein Wasser, ein Zeuge des überaus trockenen Sommers. Dafür geniessen wir den Ausblick auf Rangitoto Island (Vulkaninsel) und die Skyline von Auckland.

In der anderen Richtung haben wir Blick auf sehr bedrohliche dunkle Regenwolken also geht es im Eiltempo zurück zum Auto.
Der Ostermontag ist leider etwas verregnet, deshalb fahren wir zur Sheep World. Hier erfährt man alles über Schafe, die den Menschen in Neuseeland anzahlmässig um etwa das Zehnfache überlegen sind. In einer Show wird die Arbeit der verschiedenen Hütehunde demonstriert und ein Schaf muss seine Hüllen, äh Wolle fallen lassen. Zum Schluss dürfen noch die Lämmer mit der Flasche gefüttert werden, was Paul sichtlich Spass macht.

Der anschliessende Ausflug zu einer kleinen Käserei mit Restaurant fällt dann buchstäblich ins Wasser, sodass wir den Rest des Tages zu Hause verbringen.
Und dann ist er da, der zweite Geburtstag auf der Reise. Diesmal «trifft» es mich. Eigentlich wollten wir mit der Fähre nach Auckland fahren, aber Paul hat so einen schlechten Tag erwischt, dass wir diese dank endloser Diskussionen verpassen. Wer mich kennt, weiss dass ich jetzt leicht angesäuert bin und so will an dem Tag nichts so richtig funktionieren. Oberstes Ziel war die Männer der Familie von ihren doch beachtlichen Haarprachten zu befreien.

Leider haben diese Idee ziemlich viele Andere auch, jeder Barbershop, den wir betreten ist voll. Als wir letztendlich doch Glück haben, akzeptiert der Laden keine Kreditkarte und ich muss noch eine halbe Wanderung zum nächsten Geldautomaten machen. Wenigstens sind jetzt alle wieder schick.

Am Abend versöhnt mich der Geburtstagskuchen mit der wohl schönsten Dekoration den Tag.

Und jetzt heisst es endgültig Abschied nehmen vom Land der langen weissen Wolke. Unglaublich 5980 km sind wir über die beiden Inseln getourt und haben so viel erlebt und gesehen, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Wir müssen unseren eigenen Blog lesen, um die Erinnerungen aufzufrischen. Bevor es zurück nach Australien geht, machen wir noch eine Woche Pause auf einer kleinen Insel im Pazifik.