Der Roadtrip beginnt und damit auch das Organisieren – Packen, Einkaufen, Auspacken und natürlich Fahren. Die Jungs sind längere Autofahrten gewöhnt und meistern diese generell sehr gut. Eine Rundreise dieser Art haben wir aber noch nie gemacht. Wir haben uns bewusst für längere Fahrzeiten zwischen den einzelnen Zielen entschieden, um Aufenthalte mit nur einer Nacht zu vermeiden. Das bedeutet aber auch, dass wir bis zu 350 km zu bewältigen haben. Dass man hier dafür deutlich länger als auf heimischen Autobahnen braucht, bekommen wir gleich am ersten Tag zu spüren. Für die Strecke über die R62 nach Oudtshoorn hatte Google Maps eine Fahrzeit von 3 Stunden veranschlagt, was in etwa auch so stimmt. Rechnet man dann aber noch Zeit für eine Mittagspause, Lebensmitteleinkauf und Stopps für heruntergefallene Nuggis mit ein, ist man schnell 6 Stunden unterwegs.

Ich sag’s mal so – die 102 Folgen Feuerwehrmann Sam Hörspiele auf dem iPhone bringen uns auch durch die längsten Fahrtage.
In Oudtshoorn probieren wir Glamping, Camping mit Wohlfühlfaktor. Wir sind begeistert, unser Zelt ist ein Traum mit Blick auf ein kleines Wasserloch und die Swartberge im Hintergrund.

In Oudtshoorn dreht sich alles um die Strausse. Ursprünglich entstand die Industrie, weil sich die Frau von Welt mit den Federn schmückte. Das fand jedoch mit der Entwicklung des Autos ein jähes Ende, denn die opulenten Hüte passten schlichtweg nicht durch die Tür der fahrbaren Untersätze. Erst in den 70er Jahren entwickelte sich die Straussenfleischindustrie. Auf einer Tour lassen wir uns alles genau erklären – vom Inkubator bis hin zu den Brutpaaren, denen bis zu 60 Küken als die eigenen verkauft werden. Stell dir vor, du musst jeden Tag auf so viele Kinder aufpassen!

Weiter geht es in den Karoo Nationalpark. Wir haben uns auf dieser Reise dazu entschieden, direkt in den staatlichen Unterkünften von Sanparks zu übernachten. So haben wir zwischen den Gamedrives die Möglichkeit, die Jungs etwas springen zu lassen und die Pools zu benutzen.
Der Park zeichnet sich vor allem durch die schöne und schroffe Berglandschaft aus. Leider mögen die Reifen unseres Hausfrauenpanzers die spitzen Steine nicht. Auf einer unserer Erkundungsfahrten, etwa 30 Kilometer vom Camp entfernt, bemerkt Werner plötzlich, dass das Auto komisch fährt. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt – der linke Vorderreifen ist platt.

Jetzt ist gute Rat teuer. Handyempfang Fehlanzeige und ein anderes Auto haben wir seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesehen. Im Park gibt es Löwen und es ist strengstens verboten, das Auto zu verlassen. Aber uns bleibt nichts anderes übrig, als den Reifen zu wechseln. Während ich nach den Kätzchen Ausschau halte, macht sich Werner an die Arbeit.

Gerade als wir wieder fahrbereit sind, kommen zwei Ranger vorbei und erkundigen sich, was wir denn da bitte machen. Sie sind ganz gelassen und meinen «Wenigsten seid ihr an einer Stelle, wo ihr die Löwen sehen würdet.» Zurück im Camp, muss Werner das Erlebte dann noch verarbeiten.
Den Rest des Tages verbringen wir in unserem Häuschen und ein freundlicher Mitarbeiter repariert uns für ein kleines Trinkgeld den Reifen. Am Abend kommen Tatsache noch Löwen zum Wasserloch, ein mehr als versöhnlicher Abschluss für diesen aufregenden Tag.

Weiter geht es zum Mountain Zebra Nationalpark. Hier fühlen wir uns einfach richtig wohl. Es sind immer nur wenige Autos unterwegs und so haben wir die meisten Sichtungen für uns allein.

Wieder einmal haut uns zudem die wahnsinnig schöne Landschaft um.

Am letzten Tag gehen wir schon vor dem Frühstück auf Gamedrive. Paul hat arge Mühe, wach zu werden. Das stellt sich aber als grosses Glück heraus, denn wären wir eher losgefahren, hätten wir das hier wohl verpasst:

Ein ganzes Rudel Löwen überquert seelenruhig direkt vor uns die Strasse. Auf dem Nightdrive, welchen Werner gestern Abend gebucht hatte, wurden sie noch vergeblich gesucht.
Die Jungs sind langsam «Safarimüde» aber ein Park geht noch. Das Highlight des Tages kommt jedoch noch vor dem Gate – ein Zug!

Der Addo Elephant National Park ist einer der beliebtesten Nationalparks von Südafrika. Uns trifft nach der Einsamkeit der letzten Tage auch fast der Schlag, als wir nachmittags ins Main Camp einrollen. So viele Menschen sind wir nicht mehr gewohnt. An der Rezeption drängelt sich eine Mitbürgerin aus der Bundesrepublik vor und blafft die Arme Dame hinter dem Tresen an «Map. Map» Für ein «Bitte» hat es wohl nicht gereicht. Wir beziehen unsere Hütte und bekommen von all dem Trubel nichts mehr mit. Hier ist alles ziemlich abgewohnt und wir haben auch nur drei Stühle und drei Löffel. Gut, dass Paul gerne mit den Fingern isst.
Wir begeben uns auf die Suche nach einem der mehr als 600 Elefanten. Da sie keine natürlichen Feinde haben, kämpft der Addo mittlerweile mit einer Überpopulation. Man versucht aber weitestgehend auf das Abschiessen zu verzichten und hat stattdessen z.B. Wasserlöcher eingerichtet, welche mit speziellen Zäunen für die Elefanten nicht erreichbar sind.

Wir sind froh, 3 Übernachtungen im Park zu haben, denn neben all den Game Drive Strecken gibt es auch einen tollen Underground Hide, einen Pool und sehr zur Freude der Jungs einen kleinen Spielplatz.
Am letzten Tag fahren wir einmal komplett durch den südlichen Teil des Parks. Zuerst sehen wir nicht viel, doch dann hat es plötzlich wieder viele Autos an einer Stelle – wir sind sprachlos: Löwen!

Liegen sie zunächst noch träge im Schatten, erhebt sich plötzlich einer der Löwen und läuft über die Strasse. Dort ist ein Warzenschwein mit drei Jungen unterwegs. Da der Wind in die andere Richtung weht, hat es die Gefahr nicht bemerkt. Jetzt geht alles ganz schnell, die Raubkatzen setzen zur Jagd an und erwischen tatsächlich alle drei Jungtiere. Das alles mitten am Tag und neben unserem Auto. Ein einmaliges Erlebnis, wobei einem aber auch deutlich wird, dass die Natur grausam sein kann.
Damit sind unsere Safari Tage beendet, hier gibt es noch ein paar weitere Impressionen.