Mit der langen Fahrt von Kununurra nach Katherine überqueren wir die Grenze zwischen Western Australia und dem Northern Territory. Während in die andere Richtung jedes Auto auf frisches Obst und Gemüse, Honig, Nüsse und dergleichen kontrolliert wird, können wir ganz unbehelligt durch fahren. Die Gegend um Kununurra ist ein bedeutendes Obstanbaugebiet und man will das Einschleppen von Schädlingen verhindern.
Mit dem Grenzübertritt verlieren wir dank der Zeitverschiebung 1.5 Stunden von unserem Tag. Ein Fakt, der uns bei der über 500 Kilometer langen Fahrt nicht unbedingt in die Hände spielt.

Am Strassenrand steht aber zu unserer Überraschung ein 130 Schild, endlich wieder Gas geben. Und das tut Werner auch ordentlich, bis plötzlich lauter bunte Lämpchen in der Anzeige aufleuchten und das Auto nur noch langsam vorwärts kommt. Ausgerechnet heute! Wir halten an und werfen einen wenig aufschlussreichen Blick in den Motorraum. Thomas von TCC in Perth hatte uns von einem ähnlichen Problem berichtet. Wir haben natürlich wieder keinen Empfang (und das soll bis auf eine winzige Ausnahme bis Katherine so bleiben – danke Telstra!) und beschliessen weiter zu Fahren. Die orangen Lämpchen blinken zwar fröhlich weiter, aber unser treuer Freund fährt wieder normal. Kurz vor Katherine passiert das Ganze dann aber noch einmal, so dass wir von TCC zum Toyota Händler geschickt werden. Da interessiert sich keiner so recht für uns, man wisse nicht wann sie Zeit hätten, das Problem zu beheben. Thomas macht für uns
bei einer unabhängigen Werkstatt einen Termin am nächsten Tag . Danke für den tollen Service.
Auf dem Campingplatz kommt Werner mit zwei Schweizern ins Gespräch, die auch einen Toyota Camper haben und heute wegen exakt dem gleichen Problem die Werkstatt aufsuchen mussten. Scheint, dass es Toyota bekannt ist und der Mutterkonzern zum Rückruf aufgefordert hat, aber Toyota Australien daran kein Interesse hat.
So geniessen wir am nächsten Morgen statt der Katherine Gorge diese Ansicht:

Nach dem Löschen des Fehlerspeichers und Reinigung von einem Sensor schnurrt das Kätzchen wieder. Im Nachhinein hatten wir Glück, dass es hier und nicht irgendwo auf der Gibb passiert ist. Dafür gönnen wir uns ein leckeres Mittagessen und ein Bad in den Katherine Hot Springs.

Am Nachmittag steht der gefürchtet Grosseinkauf an, zum Glück zum letzten Mal für diese Reise. Ich schicke die Männer zum Tanken und Auto waschen und werde gleich zweimal ausgebremst. Für den Einkaufswagen braucht man einen Dollar, das erste Mal seit Perth. Und ohne ID kein Alkohol. (Sowohl das Bargeld als auch mein Führerschein sind im Auto.) Es steht sogar eine Polizistin im Liquor Store und an der Kasse wird der Ausweis zusätzlich gescannt. Der Alkoholverkauf wird hier streng kontrolliert und an den meisten öffentlichen Plätzen ist der Konsum verboten. Zu viele Aborigines kämpfen mit der Sucht.
Uns zieht es weiter gen Norden, genauer gesagt zu den Edith Falls. Genau wie die Katherine Gorge gehören sie zum Nitmiluk Nationalpark. Der Campingplatz liegt direkt neben dem Wasserfall und ist dem entsprechend beliebt. Gebucht werden kann nicht, deshalb stehen wir kurz nach 9 Uhr auf der Matte.

Beim Bad am Nachmittag werden wir noch zu Lebensrettern. Ein älteres Ehepaar hat sich überschätzt und ohne unsere Hilfe, wäre der Mann wohl nicht lebend ans Ufer zurück gekehrt.
Der wohl bekannteste Nationalpark des Top End ist der Kakadu Nationalpark. Mit fast 20.000 Quadratkilometern ist es auch der grösste Nationalpark Australiens. Das lässt man sich gut bezahlen – 100 Dollar Eintritt. Das ist mehr als für alle Parks in Westaustralien zusammen. Wir haben 3 Tage Zeit für das riesige Gebiet und das ist unserer Meinung nach das absolute Minimum. Es gibt sieben sehr verschiedene Regionen zu erkunden, wobei bei unserem Besuch die Jim Jim und Twin Falls auf Grund eines Zyklons spät in der Regenzeit noch gesperrt waren.
Die erste Nacht verbringen wir an den Gunlom Falls. Nach jeder Regenzeit werden alle Wasserlöcher von den Rangern über Wochen beobachtet, um sicher zu gehen, dass sich keine Salzwasserkrokodile ein neues zu Hause gesucht haben. Aber schwimmen erfolgt auf eigene Gefahr.

Hmmm … 
… lieber erst mal die Kinder testen lassen
Das Highlight sind aber die Felsenpools oberhalb des Wasserfalls, die man über einen 1 Kilometer langen, teils steilen Pfad erreicht.

Oben wimmelt es nur so von Leuten, die sich für das perfekte Foto in Szene setzen. Wir sind eher damit beschäftigt, auf zu passen, dass die Jungs beim wilden Spielen nicht auf den glatten Felsen ausrutschen.

Die zweite Attraktion in der „Nähe“ (es sind 88 Kilometer, da bekommt man mal ein Gefühl für die Entfernungen) sind die Maguk Falls. Bei der Anfahrt laden wir noch einmal ordentlich roten Staub auf unser Fahrzeug, aber sowohl der kurze Wanderweg als auch der Wasserfall selbst sind wunderschön. Die Akkustik ist auch nicht schlecht, Henrys Wutausbruch ob der vergessenen Schnorchelausrüstung dürfte niemandem entgangen sein.

Den Nachmittag verbringen wir am und im Pool der Cooinda Lodge. Wir übernachten hier, weil wir für den nächsten Morgen den Yellow Water Sunrise Cruise gebucht haben: Start 6:25 Uhr
Es ist dunkel und empfindlich kühl, trotzdem sitzen viele Leute in kurzen Hosen und Flip Flops auf dem Boot, klappernde Zähne inbegriffen. Das Gesetz verlangt, dass Rettungswesten mitgeführt werden, obwohl ein Sprung ins Wasser einen hier unweigerlich zum Krokodilfrühstück werden lassen würde. Die nächsten zwei Stunden gehören zu den Höhepunkten unserer Zeit in Australien.

Bei der Fahrt über das Billabong (Wasserloch) erleben wir, wie für die reiche Vogelwelt ein neuer Tag beginnt. Der aufsteigende Nebel zaubert eine herrliche Stimmung.

Die Wasserbewohner zeigen sich erst gegen Ende der Fahrt, als es endlich wärmer wird.

Zurück an der Lodge gibt es sogar noch ein reichhaltiges Frühstücksbuffet. Zum Glück waren wir in einem der ersten Busse, es stehen gefühlt 200 Leute an. Einsam ist es in diesem Teil vom Kakadu sicher nicht.
Weiter geht es nach Nourlangie, etwas Kultur tanken. Auf einem 1.5 Kilometer langen Rundweg kann man hier teils 20.000 Jahre alte Felsmalereien bestaunen.

Die letzte Nacht im Kakadu verbringen wir in Jabiru, dem administrativen Zentrum der Region. Es gäbe zwar auch Bush Campgrounds, aber wir zahlen gerade einmal 2 Dollar mehr und haben Duschen und einen Pool. Dafür müssen allerdings eine halbe Stunde Anfahrt nach Ubirr in Kauf nehmen. Auch hier gibt es wieder ausgezeichnete Felsmalereien, aber die meisten Menschen kommen hier her, um den Sonnenuntergang oberhalb der Nadab Floodplain zu geniessen.

Bis zum nächsten Ziel, dem Litchfield Nationalpark sind es über 300 Kilometer. Wir legen einen kurzen Versorgungsstopp in Humpty Doo (ja, der Ort heisst wirklich so) ein, fahren aber sonst zügig durch. Die Campingplätze im Nationalpark sind äusserst begehrt und so ist um 13 Uhr der erste Platz, den wir ansteuern auch schon komplett voll. Unsere Hoffnungen sinken und wir sehen uns schon 30 Kilometer zurück zur nächsten Ortschaft fahren. Aber wir haben Glück und bekommen ein feines Plätzchen auf dem Florence Falls 4WD Camping.

Der Platz ist idyllisch inmitten tropischer Vegetation gelegen und es gibt Toiletten, (kalte) Duschen und eine Spülgelegenheit. Kostenpunkt: 15.40 Dollar. Einer der besten und zugleich auch günstigsten Plätze unserer Reise. Kein Wunder, wollen alle hier übernachten.
Wir statten sogleich dem namensgebenden Wasserfall einen Besuch ab.

Der Nationalpark ist gut an einem Tag zu besuchen, zumindest die bekannteren Attraktionen abseits der Schotterpisten. An den Wangi Falls werden zur Zeit allerdings kontrollierte Buschbrände durch geführt, daher sind die Wanderwege gesperrt und die komplette Gegend ist total verraucht.

So flüchten wir ins einige Kilometer entfernte Cafe zum z’Mittag. Als plötzlich das ganze Gebäude vibriert, vermuten wir eine Waschmaschine im Schleudergang. Erst einen Tag später erfahren wir, es war ein Erdbeben der Stärke 7,2. Das Epizentrum lag in der Bandasee in Indonesien. Da fährt man sieben Wochen durch Neuseeland, wo das Thema allgegenwärtig ist und dann trifft es uns da, wo wir es am wenigsten erwartet hätten. Die Jungs verarbeiten das ganze im Spiel: „Komm wir spielen Erdbeben, ich bin das Erdbeben und du der Mensch, der Angst hat.“
Bei einer kleinen Wanderung an den Tolmer Falls, die auf Grund seltener Fledermausarten zum Baden gesperrt sind, treffen wir wieder auf ein Paar, dem wir in den letzten Tagen mehrfach begegnet sind. Sie kommen uns seltsam bekannt vor, aber wir können die Gesichter nicht zu ordnen. Wir kommen ins Gespräch und siehe da, wir waren gemeinsam im Octopus Resort auf Fiji. Wieder so ein wahnsinniger Zufall.

Der letzte Stopp des Tages sind die Buley Rockholes, eine Serie von Felsenpools mit Wasserfällen und Steinrutschen. Ein grosser Spass für die Kinder.

Wir verbringen eine letzte Nacht im Zelt. Es ist ungewöhnlich kalt für diese Gegend und wir frieren fast ein wenig. Unser nächstes Ziel ist ein Campingplatz 20 Kilometer vor Darwin. Die letzten Tage sind angebrochen. Das Top End hat uns noch einmal richtig begeistert. Wunderschöne Nationalparks, die sich alle bequem von Darwin aus erreichen lassen. Das merkt man auch an der Zahl der Reisenden. Hier sind deutlich mehr Urlauber unterwegs, als in Westaustralien.
