3 Monate Australien warten auf uns, dank Werners grosszügigem Arbeitgeber und der sehr flexiblen Schulleitung dürfen wir nach 2019 noch einmal eine Familienauszeit geniessen.
Mit dem Camper soll es von Melbourne nach Perth gehen, mit einem Abstecher nach Tasmanien.
Bevor wir aber endlich im Flugzeug sitzen machen uns die Influenza Viren noch einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Ich habe fast zwei Wochen Fieber und komme daher zu nichts.
Drei Tage vor Abflug bekommt auch noch Charlie Fieber und so finden wir uns einen Tag vor Abreise mal wieder beim Kinderarzt. Kennen wir ja schon. Ohren und Lunge sind aber zum Glück okay und so beschliessen wir, trotzdem zu fliegen.
Unser Gepäck quetschen wir in drei Reisetaschen und fünf Handgepäckrucksäcke.

Tom fährt uns zum Bahnhof nach Gossau, wo wir in unseren Turnschuhen und dünnen Hosen bei winterlichen Temperaturen auf den Zug zum Flughafen warten. Sehr zur Freude von Charlie gibt es sogar einen Spielwagen. Das Fieber ist fast ganz weg und er macht einen fitten Eindruck, so dass wir beruhigt sind, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. In Zürich läuft alles wie gewohnt zügig und so sitzen wir schon bald am Gate. Die nette Mitarbeiterin am Check In gibt uns zwar nicht das gewünschte Business Class Upgrade, aber immerhin einen freien Sitz in der Mittelreihe. It’s the small wins.

So gut es Charlie heute geht, um so schlechter wird Werners Zustand. Als wir endlich im Flugzeug sitzen, wird klar, dass er Fieber bekommt. Das darf doch alles nicht war sein. Und das mit zwanzig Stunden Flug in Aussicht. Die Hälfte der Passagiere ist am Husten.
Der Flug nach Singapur verläuft ruhig, die Jungs geniessen „free flow“ Medienzeit und Charlie und Henry schlafen auch ein wenig. Ich mache wie immer kein Auge zu und bin beim Umsteigen dem entsprechend gerädert. Werner ist logischerweise auch überhaupt nicht fit. Und wir müssen gefühlt einmal quer durch den Flughafen laufen. Es reicht gerade so zum Zähneputzen und kurz frisch machen, schon hocken wir im Flugzeug nach Melbourne.
Noch einmal 7,5 Stunden Flug. Kurz nach dem Start meint Henry, dass ihm schlecht ist. Auch das noch. Er hat schon die Kotztüte parat, als mir dämmert, dass er sicher Hunger hat. Und so ist es auch. Nach einer Packung Darvida geht es schon viel besser.
In Melbourne können wir wegen zu viel Flugverkehr nicht gleich landen. Mit 20 Minuten Verspätung berühren wir dann doch australischen Boden.
Die Passkontrolle und Biosecurity ist erstaunlich schnell überwunden, da haben wir ganz schlechte Erinnerungen an Perth 2019. Unser Uber Fahrer steht auch parat inklusive reserviertem Kindersitz. Nach 30 Minuten Fahrt sind wir in meiner alten Heimat St Kilda. Wir beziehen für die nächsten 5 Nächte ein 2 Zimmer Apartment im Quest St Kilda Bayside.
Das stellt sich die kommenden Tage als Glücksgriff heraus, denn während die Hälfte der Familie mit Fieber das Bett hütet, kann der Rest wenigsten zu Fuss zur Acland Street und alles Notwendige besorgen. Von Melbourne sehen wir leider fast nichts, der Einzige Ausflug in die Stadt endet ziemlich abrupt, als Charlie sich auf dem Spielplatz das Knie aufschlägt.

Dann dürfen wir endlich unseren Camper bei Cruisin abholen. Die Übergabe geht ziemlich schnell und uns fallen auf den ersten Blick auch keine Mängel auf. Das wird sich noch als Fehler heraus stellen. Werner hat zwar kein Fieber mehr, dafür plötzlich Probleme mit verschwommener Sicht. Jeden Tag eine neue Überraschung.
Für den Abend ist die Fähre nach Tasmanien ab Geelong gebucht. Wir machen noch einen Abstecher zum Rip Lookout auf der Bellarine Peninsula, wo wir die Spirit of Tasmania bei der Einfahrt in die Port Phillip Bay beobachten.

Leider bemerken wir hier auch, dass unser Kühlschrank nicht mit Gas läuft (das sollte er, wenn wir stehen und nicht am Strom hängen). Zu allem Überfluss bekommt Charlie auch wieder Fieber.
So langsam reicht es echt mit den „guten“ Nachrichten.
Wir müssen auf die Fähre, da sie auf Wochen hin ausgebucht ist und beschliessen am nächsten Morgen bei Cruisin anzurufen, um das Problem zu klären.
An der Quarantäne Station geben wir unseren Honig ab. Alle anderen verbotenen Lebensmittel haben wir schon entsorgt. Ein Spiel, das wir auf unserer Reise noch öfter spielen werden.
Wir laufen pünktlich 22 Uhr aus dem Hafen aus und sollen 10 Stunden später in Devonport auf Tasmanien ankommen. Ich habe ordentlich Bammel vor der Überfahrt, denn die Bass Strait gilt als eine der berüchtigsten Meerengen der Welt. Aber wenn wir den Camper ab Hobart gemietet hätten, wäre er über 1000 Franken teurer gewesen. So vermeidet Cruisin, dass Camper von der Insel gebracht werden und man sie dann für teures Geld zurück holen muss. Zu meiner Beruhigung spricht der Kapitän von „overall pleasant conditions“. Ich nehme trotzdem eine Tablette gegen Reisekrankheit.
Wir haben eine Vierbett Kabine gebucht und nach 30 Minuten sind alle Kinder eingeschlafen. Ich teile mir ein Bett mit Charlie und habe dementsprechend minimalen Platz zur Verfügung. Eine Stunde nach Abfahrt kommt die Durchsage, dass wir auf Grund eines medizinischen Notfalls noch einmal nach Geelong zurück müssen. So ist es dann kurz vor ein Uhr morgens als wir The Rip passieren und das Schiff (für meinen Geschmack) ganz schön zu schaukeln anfängt. Zum Glück lässt es nach einer Stunde etwas nach, aber an Schlaf ist für mich trotzdem nicht zu denken.

Mit fast 2 Stunden Verspätung treffen wir bei strahlenden Sonnenschein in Devonport ein. Nach einem Gespräch mit dem sehr hilfsbereiten Kundenservice von Cruisin haben wir einen Termin bei einem Mechaniker in Launceston.
Das spart uns eine dreistündige Fahrt nach Hobart. Die „Reparatur“ ist dann ein echter Witz. Er schlägt dreimal kräftig mit einem Schraubenschlüssel auf ein Ventil und der Kühlschrank läuft. Ja, das sei ein bekanntes Problem, die würden sich gern mal verklemmen. Zum Glück wissen wir jetzt Bescheid.
Da keiner mehr Lust auf Fahren hat, suchen wir uns einen Stellplatz auf einer Farm in Launceston. Für 40 Doller haben wir Strom, Wasser, Toiletten und die Bahnlinie direkt hinterm Stellplatz.

Also alles perfekt und wir hoffen, dass unsere Reise jetzt ohne weitere Zwischenfälle verläuft.
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