Tasmaniens Ostküste

Durch unseren Zwischenstopp in Launceston steht auch fest, dass wir Tasmanien im Uhrzeigersinn umrunden werden. Unser erstes Ziel ist die Bay of Fires. Hier reiht sich nördlich von St Helens Bucht um Bucht aneinander. Der Name kommt von den roten Granitfelsen, die zusammen mit dem weissen Sand und türkisen Wasser ein traumhaftes Bild abgeben.

Aber bevor wir das geniessen können steht unsere Lieblingsaufgabe an – Grosseinkauf. Eine Stunde später und 490 Doller ärmer stehen wir mit dem vollen Wagen vor dem Wohnmobil und fragen uns wo all die Sachen unterkommen sollen.

Luftschlange aus dem Coles

Dann geben wir Gas, denn wir haben 180 km vor uns und die Campingplätze an der Bay of Fires können nicht reserviert werden. Die Strasse ist schmal und abschüssig und Werner muss sich erst noch an die Dimensionen unseres Gefährts gewöhnen. Das macht die Fahrt anstrengend. Kurz vor St. Helens wird es auch noch super kurvig und ich Frage Paul (der rückwärts fährt) bestimmt zwanzig Mal, ob alles gut ist. Und zwanzig Mal erhalte ich ein genervtes „Jaaa“ als Antwort. Nur damit er dann bei unserer Ankunft aus dem Camper springt und sich übergibt.

Unser Stellplatz am Jeanneret Beach

Wir haben den ersten Platz nördlich von St. Helens angesteuert und beschliessen hier zu bleiben. Auf dem Platz gibt es ausser zwei Plumpsklos keinerlei Einrichtungen. Dafür ist er aber auch komplett kostenlos. Wir stehen praktisch direkt hinter den Dünen und haben zwei Buchten zur Auswahl. Eine davon liegt geschützt und ist perfekt für die Jungs zum Baden.

Strandtag am Jeanneret Beach

Den nächsten Vormittag verbringen wir am Strand und am Nachmittag versuchen wir uns das erste Mal an ein paar Schulaufgaben. Nach einer Seite im Matheheft streikt Paul und Henry kommt auch nicht viel weiter. Das kann noch heiter werden.

Ungeliebte Schulaufgaben

Und das Wohnmobil macht uns auch schon wieder Sorgen. Jedes Mal wenn wir die Wasserpumpe anschalten, schimpft die Batterie und hupt und blinkt was das Zeug hält. Da wir sowieso noch einmal in Hobart vorbei müssen, um das Display vom Kühlschrank wechseln zu lassen, können sie das bei Cruisin auch gleich mit anschauen.

Nach zwei Nächten geht es weiter in Richtung Freycinet Nationalpark. Wir buchen uns vorsichtshalber einen Stellplatz im Big4 in Coles Bay. Da kostet die Nacht zwar fast 100 Dollar, aber es gibt keine andere Option, da die Stellplätze in Nationalpark komplett ausgebucht sind. Ausserdem wären sie zu klein für unser Campingmonster.

Zum Mittag legen wir einen Stopp in Bicheno am Blowhole ein, was den Jungs richtig gut gefällt.

Bicheno Blowhole

In Coles Bay fahren wir direkt in den Nationalpark und laufen die kleine Runde am Cape Tourville Lighthouse. Charlie ist nur am motzen und so bekommt er einen neuen Spitznamen – Nörgel Örgeli. Es ist zwar sonnig, aber weil es sehr warm und schwül ist, ist es leider auch super diesig und die Aussicht etwas getrübt.

Aussicht vom Cape Tourville Lighthouse in Richtung Wineglass Bay

Der Campingplatz entpuppt sich entgegen der schlechten Bewertungen als sehr schön und im Cafe nebenan holen wir uns sehr leckere Pizza zum Abendessen.

Am nächsten Morgen machen wir uns bei bewölktem Himmel auf in den Nationalpark. Wir wollen zum Wineglass Bay Lookout laufen, 1.3 km pro Strecke. Alles andere wäre mit Charlie utopisch. Bereits nach 100 Metern fängt er an zu Motzen und es hört gefühlt bis zum Ende der Wanderung nicht mehr auf. Natürlich fällt er auch noch hin und schürft sich die Handflächen auf. Zum Glück hat Werner bessere Nerven als ich und läuft mit Charlie. Die letzten Meter, auf denen es fast 200 Stufen zu bewältigen geht, darf Charlie auf Papas Schultern.

Auch mit Wolken schön – Wineglass Bay

Auf dem Rückweg begleitet uns eine ähnliche Geräuschkulisse wie zuvor. Dabei hat Tasmanien so viele schöne kürzere Wanderungen zu bieten – die 60 Great Short Walks

Wir haben Glück und ergattern einen Parkplatz an der Honeymoon Bay, wo wir Mittag essen und die Jungs noch etwas im seichten Wasser baden können.

Honeymoon Bay

Zurück am Campingplatz hat der Wind spürbar aufgefrischt und so manche Markise und Zeltplane ist nicht mehr da, wo sie hin gehört. Das gilt leider auch für unsere Wäsche, die ich vom Boden aufsammeln darf. Da ist es wieder – das leidige Thema waschen auf Reisen. Eine freie Waschmaschine und Wäscheleine an einem sonnigen Tag gleicht einem Sechser im Lotto.

Dann steht uns ein langer Fahrtag auf die Tasman Peninsula, südöstlich von Hobart bevor. Trotzdem gönnen wir uns einen Stopp bei Kate’s Berry Farm. Wir werden von der Besitzerin sehr herzlich bedient. Obwohl es erst 10 Uhr morgens ist, gibt es Glace und Eiskaffee, was beides sehr lecker ist. Kate war schon sehr oft in der Schweiz, da sie früher in der Textilindustrie gearbeitet hat und Maschinen aus der Schweiz verwendet wurden.

Kate’s Berry Farm

Die weitere Fahrt wird nur von einem Supermarkt Stopp in Sorell unterbrochen, nachdem wir zum Glück gemerkt haben, dass Google Maps uns über eine 70 km lange gravel road schicken wollte. Wir dürfen aber maximal 12 km ungeteerte Strassen auf Zufahrten zu Nationalparks und Campingplätzen fahren. Wie sich das anfühlt, probieren wir heute auf dem Weg zur Fortescue Bay aus. Die Strasse ist eigentlich in einem guten Zustand, trotzdem haben wir das Gefühl, das Wohnmobil bricht jeden Moment über uns zusammen. Alles klappert und scheppert, so dass wir unser eigenes Wort nicht verstehen. Auf halbem Weg läuft ein Echidna über die Strasse, ist jedoch im Gebüsch verschwunden, als wir anhalten. Unser erstes lebendiges Wildtier. Tasmanien hat eine unglaublich hohe Dichte an Wildtieren, bis jetzt haben wir sie aber leider nur als Roadkill am Strassenrand gesehen.

Der Fortescue Bay Campingplatz ist der Ausgangspunkt für die Wanderung zum Cape Hauy. Mit 9.5 km leider zu lang für Charlie. Ich hatte die Hoffnung, die Wanderung eventuell allein zu machen, aber es regnet leicht und der Ranger kündigt ein Gewitter an. Das zieht zum Glück vorbei, aber als wir abends noch den schönen Strand geniessen, fängt es an zu regnen.

Fortescue Bay

Dafür scheint am nächsten Morgen die Sonne. Leider bekommt unser Solarpanel nichts davon ab und die Wasserpumpe macht der Batterie endgültig den Garaus. Irgendetwas im Batteriefach piept ohne Unterlass und unser Controlpanel blinkt in allen Farben. Zum Glück kann Werner mit einem alten Informatikertrick helfen – Stecker raus und wieder rein und es ist Ruhe. Damit wird es jetzt aber endgültig Zeit, das Cruisin Depot in Hobart anzusteuern. Das steht für morgen auf dem Plan.

Heute geht es zunächst zum Waterfall Bay Track, mit 1.7 km pro Weg schon eher für uns geeignet. Charlie schafft es leider bereits nach 50 Metern wieder den Weg zu vermessen. Danach läuft er aber die gesamte Strecke selber. (Gummibärchen sei Dank)

Waterfall Bay

Der zweite Stopp des Tages an der Remarkable Cave entpuppt sich leider als Reinfall, denn der Zugang zur Höhle ist abgesperrt. Die Absperrung wäre leicht zu überwinden, aber da gerade eine Busladung Touristen angekommen ist, lassen wir das lieber. Es wird schon seine Gründe haben.

Remarkable Cave

Die Nacht verbringen wir auf dem Port Arthur Caravan Park. Beim Check In werden wir mit „Welcome to Paradise“ begrüsst. Der Park liegt wirklich sehr schön. Leider lockt statt dem Strand die Schule. Und Werner spielt den Lockvogel.

Sein Essen teilt er aber nicht

Morgen geht es Richtung Hobart, mehr dazu im nächsten Beitrag und hier gibt es noch mehr Bilder.