Wie im letzten Beitrag erwähnt, verlassen wir jetzt die Küste um Hobart und machen uns auf in den wilden Westen. Da an der Westküste mehrere unkontrollierte Buschfeuer wüten, sind wir noch nicht ganz schlüssig wo es uns hin verschlagen wird.
Unser erster Stopp ist das Bonorong Wildlife Sanctuary. Auf Tasmanien hat man die Qual der Wahl zwischen unzähligen Zoos, die einem die australische und speziell auch die tasmanische Tierwelt näher bringen wollen. Bei Bonorong handelt es sich um eine Tierrettungsorganisation, die sich vollumfänglich über die Eintrittsgelder finanziert. Über 1000 ehrenamtliche Helfer, verteilt über ganz Tasmanien, unterstützen Bonorong bei der Rettung verletzter oder verwaister Tiere. Sie kommen in das Schutzgebiet, werden behandelt und falls möglich wieder ausgewildert. Bei einer äusserst unterhaltsamen und informativen Tour erfahren wir viele spannende Fakten über tasmanische Teufel, Echidnas und Wombats.

Die tasmanischen Teufel sind leider weder besonders schnell, schlau noch gute Jäger. Sie haben nur überlebt, weil sie schlichtweg der grösste Fleischfresser auf der Insel sind und keine natürlichen Feinde haben. Die Aasfresser ernähren sich vorwiegend von Roadkill, was dann leider zur Folge hat, das sie oftmals als eben jenes enden. Zusätzlich hat eine hochansteckende Tumorerkrankung die Population in den letzten Jahren um fast 80% schrumpfen lassen. Im Moment wird an einer Impfung geforscht.
Neben den bereits erwähnten Tieren leben hier auch viele Vögel, Possums, Quolls und unzählige Kängurus, die man auch füttern darf.

Wir haben zwei wunderbare Stunden hier verbracht und können es uneingeschränkt weiter empfehlen.
Nun geht die Fahrt weiter zum Mount Field Nationalpark, dem ältesten Nationalpark Tasmaniens. Der Campingplatz im Park ist sehr beliebt und nach 14 Uhr ist normalerweise kein Platz zu bekommen. Wir stehen bereits um 12 Uhr mittags vor einem „Campground Full“ Schild. Es findet sich zum Glück noch ein Platz für uns, allerdings wieder ohne Strom. Die Campground Hosts geben uns den Tipp, am Morgen zu schauen, ob ein Platz mit Strom frei wird und dann schnell zu sein. Da kommt man sich vor wie beim Kampf um die Liegen am Hotelpool.
Nachdem wir uns durch eine Stunde Schulstoff gequält haben, laufen wir noch den kurzen Weg zu den Russell Falls.

Henry und Paul haben noch Energie und so laufe ich mit den beiden noch den 6 km langen Three Falls Circuit. Die beiden sind so zügig unterwegs, dass ich kaum hinterher komme. Der Wanderweg ist richtig schön und weil es schon spät am Nachmittag ist, sind wir fast allein. Vorbei an den Horseshoe Falls über die Tall Trees gelangen wir schliesslich zu den Lady Baron Falls, die uns am Besten gefallen.

Einzig die 250 Stufen zurück zum Campingplatz am Ende hätten nicht sein müssen. Während die zwei das ganze im Laufschritt absolvieren, japse ich nach Luft.
Pünktlich zum Sonnenaufgang machen die Kakadus einen Lärm, der jeden Wecker alt aus sehen lässt. Da ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Aber eben deshalb sind wir ja hier, weil der Campingplatz mitten in der Natur liegt und trotzdem über super saubere Sanitäranlagen und sogar Waschmaschinen verfügt. Unsere Nachbarn hatten am Abend einen Echidna auf ihrem Platz und am Fluss wurden während unseres Aufenthaltes mehrmals Schnabeltiere gesehen. Wir haben sie leider verpasst.
Als um 9 Uhr die ersten Camper aufbrechen, schnappen sich Werner und Henry zwei Campingstühle und besetzen uns einen Platz mit Strom. Schon ein bisschen peinlich, aber wie wir später sehen, gängiges Prozedere. Kurz darauf sind alle Plätze mit Stromanschluss weg und wieder um die Mittagszeit ist der Campingplatz komplett voll. Es sind vor allem Grey Nomads, pensonierte Australier, die mit ihren Wohnwagen immer der Sonne hinterher ziehen. Werner ist wie bei der letzten Reise in jede Menge Campingplatzgespräche verwickelt und erfährt, dass deren Zahl nach Covid noch einmal zugenommen hat. Sie sind einfach am Morgen um 7 Uhr abfahrbereit und dann schon am späten Vormittag am nächsten Ziel, was für uns völlig utopisch ist.
Da wir immer noch unschlüssig sind, wie wir unsere letzte Woche in Tasmanien verbringen sollen, bleiben wir noch eine Nacht, um in Ruhe zu entscheiden und Schule zu machen. Die Freude ist gross, aber wir kommen gut voran.
Jetzt machen wir auch Nägel mit Köpfen und buchen Campingplätze für die nächsten Tage. Da wir einige längere Strecken zu bewältigen haben, gehen wir lieber auf Nummer sicher.
Zunächst geht es Richtung Queenstown, dass wir nur als Zwischenstopp nutzen. Hier könnte man zwar noch eine Fahrt mit der Westcoast Wilderness Railway unternehmen, aber es ist für die nächsten Tage komplett ausgebucht. Um die über 200 km lange Fahrt zu unterbrechen, legen wir einen Stopp am Lake St Clair ein. Australiens tiefster See ist Teil des Lake St Clair Cradle Mountain Nationalparks. Hier liegt das Ende des berühmten Overland Tracks. Wer die 65 km Mehrtageswanderung in Angriff nehmen will, muss weit im Voraus buchen. Wegen der aktuellen Waldbrände ist der Weg seit fast zwei Wochen gesperrt. Das ist bitter für alle, die extra deswegen nach Tasmanien gereist sind. Aber natürlich noch viel schlimmer für die Natur.

Zu Charlies Freude habe ich noch eine kleine Wanderung auf der Weiterfahrt eingeplant. Vom Donaghys Hill hat man einen wunderbaren Blick über das Tal des Franklin River bis hin zum Frenchmans Cap. Pro Strecke ist knapp ein Kilometer zu bewältigen. Der Weg ist einfach zu gehen und verläuft zum Glück fast komplett im Schatten, denn es sind 30 Grad.

Die letzten Kilometer bis Queenstown sind wie auch schon der Rest der Strecke heute ziemlich kurvig. Die Aussicht bei der steilen Fahrt hinunter ins Zentrum der ehemaligen Bergbaustadt ist gewaltig. Die Berghänge sind komplett abgeholzt wodurch die Bodenerosion die unterliegenden Felsschichten freigelegt hat.

Bei der Ankunft auf dem Campingplatz erklärt der Besitzer gerade den Leuten vor mir die Preise für Waschmaschine und Trockner und meint dann nur, dass die Wäsche bei der Hitze wahrscheinlich schon trocken ist, bevor sie aus der Maschine kommt. Diese winken nur ab und meinen sie kämen aus Central Australia. Da sind solche Temperaturen in der Nacht an der Tagesordnung. Für Tasmanien allerdings ist das eine aussergewöhnliche Hitze. (Das Gegenteil werden wir dann ein paar Tage später zu spüren bekommen).
Der Platz ist das Gegenbeispiel zu Adventure Bay. Auch hier sind die Gebäude alt, aber alles ist super sauber und in den Duschen gibt es sogar Handtücher für die Füsse. Welch ein Luxus!
Wir schwitzen in der Hitze und kämpfen gegen die Ameisenarmee, die unseren Camper immer wieder bevölkert. Zum Glück bis jetzt nur von aussen.

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Norden. Ursprünglich wollten wir an die Westküste, aber da unsicher ist, in welche Richtung sich die Feuer bewegen, haben wir uns für Stanley im äussersten Nordwesten von Tasmanien entschieden. Auf dem Weg sehen wir die gewaltige Rauchsäule des Canning Peak Feuers, welches den Overland Track bedroht.
Bei einem kurzen Einkaufsstopp findet Werner auch endlich AdBlue an einer Tankstelle. Wir haben seit Tagen an jeder Tankstelle danach Ausschau gehalten, aber Fehlanzeige. Ich dachte, es sei Harnstoff, aber es scheint sich um flüssiges Gold zu handeln. Bei einem stolzen Preis von 17 Dollar pro Liter.
In Boat Harbour gönnen wir uns ein leckeres Mittagessen in einem Café. Wir versuchen auswärts Essen weitestgehend zu vermeiden, weil unsere Reisekasse leider nicht unendlich ist. Aber das hat sich sehr gelohnt, wahnsinnig lecker und riesige Portionen.

In Stanley richten wir uns auf dem Big4 Campingplatz ein, nicht ganz günstig aber super ausgestattet und fussläufig zur „Stadt“ und zum Strand.
Henry und ich unternehmen noch eine kleine Wanderung auf „The Nut“, das 143 m hohe Überbleibsel eines Vulkanschlots.

Der Weg hinauf auf das Plateau ist mit 430 m kurz, aber so steil, dass ich fast auf Zehenspitzen gehen muss. Wahnsinn!
Oben wartet ein 2km langer Rundweg mit fantastischen Aussichten, aber leider fängt es an zu regnen. Für den Rückweg könnte man auch den Sessellift nehmen, der hat nur leider schon geschlossen.

Der eigentliche Grund für unseren Besuch lässt sich erst nach Sonnenuntergang blicken. Jeden Abend zwischen September und März kehren die Zwergpinguine an den Strand zurück, um ihre Jungen zu füttern.

Unseren zweiten Tag in Stanley verbringen wir mal wieder mehrheitlich mit Schule. Wir haben mittlerweile gemerkt, dass wir an Fahrtagen oder wenn wir Ausflüge machen, einfach nicht dazu kommen. Am Nachmittag gibt es zur Feier des Tages (Valentinstag) noch Kaffee und Kuchen.

Bei der Rückkehr zum Camping müssen wir dann aber genau hin schauen, damit wir den richtigen Camper nehmen.

Die letzten 5 Nächte unserer Tasmanien Reise gibt es dann im nächsten Beitrag. Hier findet ihr noch mehr Fotos.