Bevor es zu unserem nächsten Ziel geht, machen wir uns wieder auf die Jagd nach AdBlue. Wir haben schon fast das Gefühl, dass der Stoff hier irgendwo auf dem Schwarzmarkt gedealt wird, als wir endlich an einer LKW Tankstelle Glück haben. Und siehe da, hier zahlen wir 1,60 Dollar pro Liter. Da haben sie vor zwei Tagen wohl das Geschäft des Jahres mit uns gemacht.
Auf dem Weg zum Cradle Mountain Nationalpark kennt die Temperaturanzeige nur eine Richtung – abwärts. Seit über einer Woche beobachten wir kritisch den Wetterbericht. Wir wollen auf den Campingplatz direkt am Nationalpark und da dieser sehr beliebt ist, waren viele Tage komplett ausgebucht. So bleibt uns nichts anderes übrig als zu hoffen, dass es nicht ganz so kalt wird wie angesagt. Diese Hoffnung zerschlägt sich, als wir den ersten Blick auf den Cradle Mountain erhaschen – da liegt Schnee! Ob das möglicherweise an Werner liegt? Er war im Januar 2007 schon einmal hier und es hat – richtig – geschneit.
Bei unserer Ankunft am Campingplatz zeigt das Thermometer 7 Grad. Wir haben zwar extra einen Stellplatz mit Strom gebucht, damit wir unsere Klimaanlage (welche auch als Heizung fungiert) laufen lassen können. Aber wenn man dazu dann noch im Camper kocht, sieht das in etwa so aus.

In der Nacht zeigt unser Display nur noch 2 Grad Aussentemperatur. Wir haben die Wahl zwischen Frieren und dem Höllenlärm der Klimaanlage.

Das Wetter ist durchwachsen gemeldet, deshalb haben wir uns für heute den Dove Lake Circuit vorgenommen. Auf 6km wird der See einmal umrundet. In den Nationalpark führt eine schmale Strasse, auf welcher nur an wenigen Stellen gekreuzt werden kann. Deshalb dürfen Autos nur vor 8:30 Uhr in den Park fahren, danach muss man den Shuttle Bus Service nutzen. Bis wir dann ausgerüstet mit sämtlichen Jacken, welche wir dabei haben, an der Bushaltestelle stehen ist es fast halb elf. Der Bus bringt uns in knapp 20 Minuten zum Startpunkt der Wanderung. Durch den Wind fühlt es sich noch merklich kälter an und über dem Cradle Mountain ziehen dunkle Wolken auf. Wir überlegen kurz, ob wir abbrechen.

Zum Glück tun wir das nicht, denn der Weg ist wirklich schön und sehr abwechslungsreich. Da vergisst sogar Charlie, dass er ja nicht gern läuft und schon gar nicht bergauf. Mal laufen wir durch den Wald, mal am Felsen entlang oder über Boardwalks durch die Ufergegend. Ausserdem gibt es immer wieder kleine Strände, die sich für eine Pause anbieten.

Gegen Ende der Wanderung kommt sogar die Sonne hervor und der Cradle Mountain zeigt sich fast ohne Wolken. Während wir uns noch darüber freuen, merken wir nicht was auf uns zu kommt. 2 Minuten später kramen wir aufgeregt nach den Regenjacken. Der Spruch „If you don’t like the weather in Tasmania just wait 5 minutes“ funktioniert wohl auch anders herum.

Immerhin haben wir so fast alle Kleidungsstücke aus dem Rucksack gebraucht. Die Wanderung hat uns wirklich gut gefallen und wir sind stolz auf Charlie, der alles allein gelaufen ist. Zur Belohnung gibt es dann doch noch ein paar Sonnenstrahlen an dem Fotospot schlechthin. Wir amüsieren uns köstlich mit einem Australier, der wie ein Rohrspatz schimpft, weil ihm immer wieder einer ins Bild läuft. Später stellt sich heraus, dass er unser Campingnachbar ist.

Heute sind wir schlauer und nutzen die riesige Campküche zum Kochen, zumal es immer wieder regnet. Hier ist es dank des Kaminfeuers schön warm. Auch die Fussbodenheizung in den Duschen wissen wir sehr zu schätzen.

In der nächsten Nacht sinkt die Temperatur unter den Gefrierpunkt. Dank unserer Schlafsäcke ist uns aber nicht kalt. Und wir werden mit strahlend blauem Himmel geweckt, was hier eher selten passiert.

Wir wagen uns an den Crater Lake Circuit, der vom Dove Lake Carpark über drei Bergseen wieder zurück zum Dove Lake führt. Wir kürzen ein wenig ab, denn unser Ziel wird Ronny Creek sein. Trotzdem warten über 5 km und einige Höhenmeter auf uns. Und dabei läuft Charlie doch nicht bergauf, was wir dummen Eltern schon wieder vergessen haben.

Dann geht es über unzählige Stufen hinauf zum Crater Lake auf ungefähr 1000 m. Charlie ist mit Abstand der Jüngste am Berg und bekommt von den vielen anderen Wanderern ständig Komplimente. Das freut ihn mächtig und er läuft tapfer bis ganz nach oben.

Oben bietet sich eine fantastische Aussicht bis zum Dove Lake. Vom Marions Lookout würde man auch noch den Cradle Mountain sehen, aber wir wollen es nicht übertreiben und treten von hier aus den Rückweg an.

Der Weg zum Ronny Creek Carpark ist wunderschön und deshalb auch extrem gut besucht. Das merkt man dann vor allem, als direkt neben dem Weg ein Wombat am Essen ist. Vor lauter Menschen ist kein Durchkommen mehr.

Der Nachmittag ist noch richtig schön, so dass wir sogar mal vor und nicht nur im Wohnmobil sitzen können. Wir sind platt und trotzdem total glücklich, so einen tollen Tag erlebt zu haben. Der Cradle Mountain Nationalpark ist zu Recht einer der beliebtesten Orte auf Tasmanien.
Am nächsten Morgen regnet es in Strömen, da fällt uns der Abschied leichter. Für unsere letzten zwei Nächte auf Tasmanien wollen wir zurück an die Küste in den Narawntapu Nationalpark in der Nähe von Devonport, von wo unsere Fähre geht. Die Campingplätze können mal wieder nicht reserviert werden, also sind wir früh unterwegs. Wir hätten uns aber keine Gedanken machen müssen, es hat genügend Platz. So habe ich jetzt zwei Tage Zeit, die richtige Schreibweise und Aussprache des Parknamens auf die Reihe zu bekommen (es gelingt mir nicht). Aber es war wohl gut so, dem Park den ursprünglichen Namen der Ureinwohner zu geben. Davor lautete er nämlich „Mount Asbestos Nationalpark“, verständlicherweise nicht unbedingt ein Publikumsmagnet.
Dabei ist es in der Serengeti Tasmaniens so schön. Der Name rührt von den grossen offenen Grasflächen rund um das Visitor Centre, auf denen jeden Abend die grossen Forester Kängurus grasen. Überhaupt hat es hier unglaublich viele Tiere. Überall raschelt es im Busch und irgendwer hüpft immer über den Campingplatz.

Auch der kilomterlange Strand Bakers Beach ist wahnsinnig toll. Und wir sind fast allein.

Während die Tagestemperaturen hier wieder sehr angenehm sind, bleiben die Nächte empfindlich kalt. Das hatten wir so im Februar nicht erwartet.
Die Familie hat genug vom Wandern und ausserdem müssen wir dringend wieder etwas für die Schule tun. Also laufe ich allein auf den 114m hohen Archers Knob, von wo aus man einen fantastischen Rundblick über den Nationalpark mit der Lagune und dem Strand geniesst.

Auf dem Rückweg möchte ich den Weg auf der anderen Seite der Lagune zurück laufen. Nur dass es den Weg, der auf der Karte eingezeichnet ist, nicht gibt. Also stapfe ich querfeldein über die riesige Grasfläche vorbei an Kängurus und ihren Hinterlassenschaften bis ich endlich einen Weg zurück finde. Durchs Gebüsch wollte ich lieber nicht, denn wie überall gibt es auch hier Schlangen. Wenigstens ist auf Tasmanien die Sachlage klar – es gibt drei Schlangenarten und alle sind giftig.

Und dann bricht der letze Tag in Tasmanien an. Da unsere Fähre erst um 22 Uhr fährt, machen wir noch einen Ausflug zum Platypus House am Tamar River, eine Auffangstation für Platypus (Schnabeltiere) und Echidnas (Ameisenigel). Sieht man sie von aussen, würde man nie glauben, dass sie miteinander verwandt sind. Vom Skelett her ein Reptil, das Fortpflanzungssystem der Vögel und damit die einzigen Säugetiere, die ihre Nachkommen nicht lebend gebären sondern Eier legen.

Nach dem Mittag machen wir uns auf Richtung Devonport und verbringen den Nachmittag am Bluff Beach mit Spielplatz und Café und beobachten die Fähre bei der Einfahrt in den Hafen.

Eigentlich sollten schon lange die moderneren und viel grösseren Spirit of Tasmania IV und V im Einsatz sein. Allerdings waren sich die Fährgesellschaft und der Betreiber des Hafens in Devonport nicht einig. Beides zum Teil Staatsbetriebe haben sie der Regierung aber erzählt, dass alles „on track“ ist. Jetzt steht eine schöne neue Fähre irgendwo in Schottland und wartet darauf, dass sie jemand für 2 Jahre mietet, bis der Hafen dann hoffentlich fertig ausgebaut ist.
Wir legen überpünktlich ab und wie auch schon auf der Hinfahrt ist das Wetter gut gemeldet. Das war meine grösste Sorge bei der Reiseplanung. Im Netz kursieren genug Geschichten von bis zu 12 Meter hohen Wellen und umgekippten Lastwagen. Das möchte ich dann lieber nicht erleben.

Und während wir Richtung Geelong schippern und ich mal wieder nicht schlafen kann, denke ich gern zurück an drei wundervolle Wochen auf Tasmanien. Trotz des verkorksten Starts unserer Reise haben wir die sehr abwechslungsreiche Insel in unser Herz geschlossen und eine neue „Lieblingsregion“ in Australien dazu gewonnen.
Hier findet ihr noch mehr Bilder unserer letzten Tage auf Tasmanien.