Geelong begrüsst uns mit strahlendem Sonnenschein und wir sind Tatsache das dritte Fahrzeug, welches von der Fähre rollt. Besser kann der Tag nicht beginnen. Oder doch? Heute gibt es mal ausnahmsweise Frühstück im Restaurant. Freitag früh um 9 Uhr ist das Salty Dog Cafe am Strand von Torquay rappelvoll mit Menschen und Hunden, denn der Name ist hier Programm. Arbeiten muss hier anscheinend niemand.

Torquay gilt als Surfer Paradies und dem entsprechend reiht sich ein Surf Shop an den nächsten. Einkaufen ist ja aber bekanntlich nicht die Lieblingsbeschäftigung von Kindern. Das tut Charlie nach Laden Nummer 3 dann auch lautstark kund und wir fahren zu einem Spielplatz in Anglesea. Wie fast immer in Australien mit öffentlichen Toiletten, überdachten Grillstellen und Wasserspender.

Von hier ist es nicht mehr weit bis nach Aireys Inlet, einem eher kleinen weniger touristischen Ort an der Küstenstrasse. Der Campingplatz hat einen Spielplatz und Pool also haben wir schon gewonnen. Nur die Karte vom Ort, die wir dort erhalten, ist leicht verwirrend. So landen wir auf der Suche nach dem Strand auf dem Cliff Top Walk.

Am nächsten Tag heisst es dann Happy Birthday Papi! Komplett mit Ballons, Kerzen und Kuchen aus dem Omnia.

Viel Zeit zum Feiern bleibt nicht, denn da Wochenende ist, mussten wir den nächsten Campingplatz vorbuchen. Wir haben dazu gelernt. Heute geht es über Lorne und Apollo Bay zum Cape Otway.

In Lorne statten wir dem Erskine Fall einen Besuch ab. Hier gäbe es auch eine schöne Wanderung, aber dafür haben wir keine Zeit. Ist vielleicht auch besser so, denn Charlie streikt schon bei den 230 Stufen hinab zum Wasserfall. Cleveres Kind, denn bei fast 30 Grad ist der Weg zurück nach oben kein Zuckerschlecken.

Vom Teddys Lookout hat man eine spektakuläre Aussicht auf die Great Ocean Road und die Mündung des St Georges River. Hier legen wir dann auch eine Bade- und Mittagspause ein.

Auf der Weiterfahrt nach Apollo Bay könnte man alle 5 Minuten anhalten, weil ein fantastischer Ausblick den nächsten jagt. Da die Temperaturanzeige aber kontinuierlich Richtung 40 Grad klettert, fahren wir durch. Zum Glück bin ich schon zum fünften Mal hier unterwegs, sonst würde ich mich ziemlich ärgern. In Apollo Bay bekommen alle, was sie brauchen: Das Wohnmobil den bisher teuersten Diesel der Reise, Mama und Papa einen Eiskaffee und die Jungs ein grosses Eis.

Wir bleiben zwei Nächte im Bimbi Park am Cape Otway. Der Campingplatz wirbt mit dem Slogan „Schlafen unter Koalas“. Und tatsächlich entdecken wir schon kurz nach der Ankunft das erste Exemplar. Am Abend erfahren wir von einer Frau, dass Koalas in dieser Region ursprünglich nicht heimisch waren und angesiedelt wurden. Da die lieben Tierchen äusserst ungern ihre Futterquelle wechseln, fressen sie die Eukalyptusbäume fast komplett leer, wovon diese sich meist nicht erholen. Deshalb wurde damit begonnen, die Koala Population einzudämmen.

Auf dem Platz gibt es einen Splash Park, einen Spielplatz und Minigolf so dass uns nicht langweilig wird. Es tut allen gut, ab und zu einen Tag ohne Unternehmungen einzuschieben. Also vielleicht fast allen, denn für Henry und Paul bedeutet das meistens, dass die Schulaufgaben rufen.
Als wir Bimbi Park verlassen, hängen die Wolken tief und es fängt sogar an zu regnen. Bis wir die Shipwreck Coast erreichen, kommt die Sonne zum Glück wieder zum Vorschein. Hier beginnt mit den Twelve Apostles der bekannteste Teil der Küstenstrasse. Der Name ist etwas irreführend, denn es gab nie zwölf Kalksteinfelsen, sondern nur neun. Jetzt sind noch sieben übrig. Sie sollen nach dem Uluru die am zweitmeisten fotografierte Touristenattraktion Australiens sein. Heute kommen wohl allein von uns mindestens 100 Fotos hinzu.

Danach fahren wir noch zur Aussichtsplattform hoch über dem Meer für das obligatorische Erinnerungsfoto.

Es folgen noch unzählige Kalksteinformationen, wir wählen noch zwei weitere Stopps aus, mehr können wir den Jungs nicht zumuten. Charlie steigt ja wenigstens noch mit aus, die anderen zwei bevorzugen 30 Minuten Gaming Zeit.

Wir übernachten in Warrnambool und wollen noch schnell einkaufen gehen. Aus schnell wird leider nichts, denn im Coles hat nur eine Kasse geöffnet und die Mitarbeiterin arbeitet mit der Geschwindigkeit einer Schnecke. So muss der Self-Checkout her halten, was auch nicht unbedingt zügiger geht. So kann man auch anderthalb Stunden tot schlagen. Zum Glück ist der Campingplatz gleich um die Ecke inklusive super schönem Spielplatz direkt gegenüber.

Wir haben ewig hin und her überlegt, ob wir auf dem Weg nach Adelaide über die Grampians fahren sollen. Fast 70% des Nationalparks waren in den letzten zwei Monaten von mehreren Buschbränden betroffen. Erst seit ein paar Tagen sind die Hauptattraktionen wieder zugänglich, sämtliche Nationalparkcampingplätze und Nebenstrassen sind jedoch noch gesperrt. Halls Gap, im Zentrum der Grampians, bittet dringend um Besucher. Also fahren wir – zum Glück.
Wir machen noch einen Abstecher zum Tower Hill Wildlife Reserve. Da dies eigentlich eher weniger bekannt ist, wundere ich mich, dass auf dem Parkplatz ein grosser Reisebus steht. Wir kommen mit dem Fahrer ins Gespräch und er erklärt, dass im Bus vor allem unsere Landsleute sitzen (sowohl die einen als auch die anderen) und es momentan nur ein Thema gibt – „The bullshit with the elections“ Fasst es ganz gut zusammen.

Die letzten 40 Kilometer von Dunkeld nach Halls Gap fahren wir nur durch verbranntes Land und wir bekommen einen ersten Eindruck vom Ausmass der Brände. Links und rechts der Strasse stehen schwarze Bäume soweit das Auge reicht. Erstaunlicherweise spriesst aber an vielen Ecken schon wieder Grün. Schon Wahnsinn wie schnell sich die Natur erholt.

Wir stehen für drei Tage auf dem Lakeside Tourist Park etwas ausserhalb vom Ort. Ein richtiges kleines Paradies mit einer unglaublichen Tierwelt und super freundlichen Besitzern. Da es jeden Tag über 30 Grad warm wird, nutzen wir auch die beiden mit holz beheizten Pools rege.

Wir besuchen die verschiedenen Lookouts, die MacKenzie Falls und unternehmen eine Wanderung zum Pinnacle Lookout.

Die Wanderung zum Pinnacle ist momentan nur vom Wonderland Carpark aus möglich. Sie gilt als die schwierige, aber auch weitaus schönere der beiden Strecken. Wir sind nicht ganz sicher, wie weit wir jetzt wirklich gelaufen sind, denn auf der Karte steht 2.7 km pro Weg, am Parkplatz 2.1 km. Charlies Meinung – zu lang und in die falsche Richtung (bergauf)
Zu Beginn geht es im Grand Canyon über grosse Felsen und erwartungsgemäss hat er hier noch viel Spass an der Kraxelei.

Es sind die Stufen im mittleren Teil, die zur Geduldsprobe werden, da es mittlerweile auch schon ordentlich warm ist und Schatten leider Mangelware. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir die Silent Street (mit uns dann eher nicht silent), eine enge Felsspalte an deren Ende eine Treppe auf das Plateau führt, wo der Aussichtspunkt liegt.

Und dann haben wir es endlich geschafft und können die tolle Aussicht auf Halls Gap und das Umland und unser Mittag geniessen. Ein Mann kommentiert unser Lunchpaket als clevere Idee, worauf ich nur antworten kann, dass ich mit vier „Männern“ sicher nicht ohne Essen aus dem Haus gehe.

Wie auch an den Tagen zuvor gönnen wir uns am Nachmittag ein Eis und ein Bad im Pool. Es fühlt sich fast ein bisschen wie Urlaub vom Reisen an. Halls Gap ist für uns ein Wohlfühlort und wir sind traurig, nach drei Tagen weiter ziehen zu müssen. Aber irgendwie muss der Camper bis Ende März ins fast 4000 km entfernte Perth kommen.
Noch mehr Bilder von unserer Zeit in Victoria findet ihr hier.