Abseits der ausgetretenen Pfade

Wir machen uns auf Richtung Westen und damit werden ab jetzt unsere täglichen Fahrstrecken länger. Zunächst stehen 400 km bis Whyalla auf dem Plan. Wir brauchen allerdings schon eine gefühlte Ewigkeit, bis wir das Stadtgebiet von Adelaide verlassen haben. Dann folgt auch noch eine kilometerlange Baustelle mit 60 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung. Ist es nicht immer so, wenn man zügig voran kommen möchte. In Lochiel vertreten wir uns kurz die Beine und bestaunen den Loch-Eel im Lake Bumbunga. Die Aalskulptur ist eine Anspielung auf Nessie, das ja bekanntlich im Loch Ness sein Unwesen treibt.

Loch-Eel

Auf der weiteren Fahrt ändert sich die Landschaft kaum, es geht entlang endloser Felder bis wir in Port Germein wieder am Meer ankommen. In dem kleinen Fischerort gönnen wir uns erstaunlich leckere Fish & Chips und Burger aus einem Café, dass von aussen gar nicht einladend aussah. Ausserdem gibt es wie immer einen Spielplatz, öffentliche Toiletten und überdachte Grillplätze. Da haben die Australier echt etwas drauf.

Gezeiten Uhr Port Germein

Bevor wir auf die Eyre Peninsula abbiegen, fahren wir durch Port Augusta, das auch „The Crossroads of Australia“ genannt wird. Denn hier treffen mehrere grosse Highways aufeinander. Leider habe ich an der Kreuzung die Kamera nicht parat, deshalb muss ein Foto aus dem Netz her halten. Rechts geht es nach Darwin (2700 km entfernt) und links nach Perth (2300 km). Das ist ungefähr so, als ob Lissabon in München ausgeschildert ist. Also besser aufpassen und nicht den falschen Abzweiger nehmen.

Strassenschild in Port Augusta

Auf der Fahrt nach Whyalla nimmt die Dichte der Mietcamper rapide ab. Hier verirren sich nur wenige ausländische Touristen hin. Auch wir nutzen die Stadt, die von einem riesigen Stahlwerk dominiert wird, nur als Zwischenstopp. Unser Freund, der Wind ist, zurück und macht den Ausflug zur Jetty sehr ungemütlich.

Leicht windig, man beachte die Palmen

Unser eigentliches Ziel auf der Eyre Peninsula sind die Nationalparks ganz im Süden. Die Halbinsel ist nach dem Entdecker Edward John Eyre benannt, der sie im 19. Jahrhundert teilweise erforscht hat. Den Highway, der ebenfalls seinen Namen trägt, werden wir bald auch noch ausgiebig kennen lernen. Bis zum Port Lincoln Nationalpark sind es wieder gut 300 km. Deshalb legen wir im landwirtschaftlich geprägten Cowell eine Pause ein. Beim Anblick der kargen Landschaft wundern wir uns immer wieder, wie man hier etwas anbauen kann. Wir sind total begeistert von dem riesigen Kunstwerk auf den Getreidesilos. Es zeigt Lionel Deer, einen Lokalhelden, der 30 Jahre lang mit seinen Kamelen an die alljährliche Weihnachtsparade kam.

Cowell Silo Art

Die Jungs feiern den kostenlosen Wasserpark, der bei 30 Grad für Erfrischung sorgt.

Wasserpark in Cowell

Wir fahren weiter auf der schier endlos erscheinenden Strasse Richtung Süden, bis wir endlich Port Lincoln erreichen. Die Stadt ist ein Zentrum des australischen Fischfangs und besitzt die grösste Fischerbootflotte der südlichen Halbkugel. Nachdem wir unseren Wassertank aufgefüllt haben, geht es Richtung Nationalpark. Ein Grossteil des Parks ist leider nur mit Allrad zugänglich und so haben wir uns für zwei Tage auf dem einzigen für uns erreichbaren Campingplatz eingemietet. Er liegt direkt am Strand der Surfleet Cove, wo wir direkt mal mit Delfinen begrüsst werden.

Surfleet Cove

Am nächsten Tag ist es richtig heiss und wenn man ihn mal braucht, dann ist der Wind natürlich weg. So geniessen wir den Strand und widmen uns mal wieder den Schulaufgaben.

Wenn man sich konzentrieren soll und der kleine Bruder nervt

Am Abend sieht es fast so aus als ob das angekündigte Gewitter wirklich kommt, aber es zieht vorbei.

Gewitterstimmung im Port Lincoln Nationalpark

Unser nächstes Ziel ist der Coffin Bay Nationalpark, hoffen wir mal, dass der Name hier nicht Programm ist. Im gleichnamigen Ort gönnen wir uns im Oyster HQ ein fantastisches Mittagessen. Coffin Bay ist für seine Austernzucht bekannt und hier bekommt man die Köstlichkeit in 15 verschiedenen Geschmacksrichtungen. Da wir alle kein Fan davon sind, bleiben wir beim Fisch, der so frisch natürlich super schmeckt.

Happy Patrice

Gut gestärkt geht es auf zum Nationalpark, der zum Grossteil wieder nur mit Allrad zugänglich ist. Aber den Almonta Beach lassen wir uns nicht entgehen.

Almonta Beach – „überfüllter“ australischer Strand an einem Samstag Nachmittag

Auf dem Campingplatz werden wir auch gleich gebührend von den Bewohnern empfangen.

Känguru Selfie

Das Thermometer zeigt 34 Grad und der Wind, über den so viele Reisende hier normalerweise schimpfen, ist Fehlanzeige. So ist es im Wohnmobil fast unerträglich heiss. Unsere Klimaanlage läuft leider nur, wenn wir an 240 Volt Strom angeschlossen sind. Den gibt es hier nicht. Um so überraschter sind wir, als wir am nächsten Morgen zu stark bewölktem Himmel und 20 Grad weniger aufwachen.

Die Fahrt nach Elliston ist ziemlich eintönig und die Strasse in deutlich schlechterem Zustand als an der Ostküste. Anscheinend war da irgendwann das Geld alle. Am Locks Well Beach bekommen wir einen ersten Vorgeschmack auf die Steilküste rund um Elliston.

Locks Well Beach – leider mit fiesen Strömungen und daher nicht zum schwimmen geeignet

Dann zaubert die Eyre Peninsula auf dem Elliston Clifftop Drive. Da kann die Great Ocean Road einpacken. Sehr zum Leidwesen der Jungs, halten wir an fast jedem Lookout und können uns fast nicht losreisen. „Stunny“ wie es eine Australierin zusammen fasst.

Elliston Clifftop Drive

Unser Übernachtungsplatz liegt gleich ums Eck am Walkers Rock Beach. Zwar ohne jegliche Einrichtungen, aber dafür völlig ungestört inmitten der Dünen direkt hinter dem Strand.

Stellplatz am Walkers Rock Beach

An unserem letzten Tag auf der Halbinsel fahren wir bis Ceduna, dem Startpunkt der Nullarbor. Der erste Stopp des Tages lässt nicht lang auf sich warten, am Strassenrand steht das Colton Bakehouse. Es handelt sich nur um einen kleinen Stand mit Vertrauenskasse, an dem sehr leckeres Brot und Brötchen verkauft werden. Die Qualität hat sich anscheinend so herum gesprochen, dass es fast jeden Tag vor 10 Uhr ausverkauft ist.

Leckerer Stopp

Dann stehen die Talia Caves auf dem Plan. Wir hatten im Vorfeld gelesen, dass die 6 km lange Schotterstrasse in ziemlich schlechtem Zustand sein soll. Da die ersten Meter jedoch ganz okay sind, fahren wir los. Oh mein Gott! Das ist Wellblech der ganz üblen Sorte und schon mit dem entsprechenden Fahrzeug eine Zumutung. Nach Kilometer drei verabschiedet sich die erste Radkappe. Da Cruisin sie jedoch mit Kabelbinder befestigt hat, verlieren wir sie nicht, sondern sie ist total verbogen. Als Werner schliesslich die Nase voll hat und umdrehen will, sind wir nur noch einen Kilometer vom Ziel entfernt und fahren doch weiter. Schweissgebadet kommen wir am Parkplatz an, denn wir haben echt Angst, das uns der Karren auseinander fällt oder wir die Reifen beschädigen. So können wir die Landschaft mit Aussicht auf die Rückfahrt zum Highway nur bedingt geniessen.

The Woolshed ist eine ziemlich grosse, begehbare Höhle und auch die Küste rund herum sehr eindrücklich. Allerdings haben wir uns mittlerweile an australische Gegebenheiten angepasst und sind stilecht in Flip Flops unterwegs. Deswegen bekomme ich angesichts des rutschigen und unebenen Höhlenbodens mehrmals Schnappatmung und sehe die Kinder schon im Meer liegen. Zwei dumme Fehler kurz hintereinander.

The Woolshed

Nachdem wir den Highway wieder heil erreicht haben, setzen wir die Fahrt nach Norden fort. Murphy’s Haystacks steht auf dem Plan. Die sind uns gleich sympathisch, weil sie über Teerstrassen zu erreichen sind. Noch bevor ich die 10 Dollar Eintritt in die dafür vorgesehene Box werfen kann, rutsche ich (auf dem ebenen) Kies aus und knalle voll auf mein linkes Knie. Es tut so weh, dass ich gern irgendwo rein beissen würde, aber zum Glück ist nichts weiter passiert.

Die Inselberge (heisst auch im englischen so) sind durch die ungleichmässige Verwitterung des Granitgesteins entstanden. Die lustig aussehenden Felsen laden die Jungs natürlich gerade zum klettern ein.

Kletterverein Schwellbrunn am Start

Nach einem kurzen Mittagsstopp im Ferienort Streaky Bay erreichen wir endlich nach knapp 250 Kilometern Ceduna, das östliche Ende der Nullarbor. Die Eyre Peninsula hat uns sehr gut gefallen, aber unsere Empfehlung wäre sich mindestens 10 Tage Zeit zu nehmen und ein Allradfahrzeug. Hier findet ihr noch weitere Eindrücke der letzten Tage.