(South) West is Best

Als wir wussten, dass es wieder nach Australien geht, stand ziemlich schnell fest – die Westküste ist unser Ziel. Für unseren ersten Besuch jetzt im Februar steht der Südwesten auf dem Plan. Eine grobe Route haben wir im Kopf, jedoch immer bereit, diese an Wetter und Laune anzupassen.

Unsere Route durch den Südwesten

Am Sonntag morgen geniessen wir ein ausgiebiges Frühstück mit Britta, dann fahren wir los Richtung Süden. Das Tagesziel für heute lautet Bunbury, eine Kleinstadt am Meer ca. 160 km von Perth entfernt. Die Fahrt bringen wir in 2 Stunden bei strahlendem Sonnenschein hinter uns. Unterwegs gibt es auch nicht viel Sehenswertes, weil die Küste komplett zu gebaut ist. Auf dem Campingplatz geniessen wir den Pool und unternehmen anschliessend noch einen Spaziergang zum Spielplatz.

Und schon am ersten Tag lieben wir das Camperleben in Australien. Wir kommen mit unseren Nachbarn ins Gespräch, einem älteren Ehepaar, ursprünglich aus England. Und das wird sich die nächsten Wochen so fort setzen, die Australier sind äusserst gesprächig. Wir treffen häufig auf Rentner, die sogenannten Grey Nomads. Meistens haben sie ihr Haus verkauft, leben in einem Caravan und ziehen immer der Sonne hinterher. So sind sie um diese Jahreszeit im Süden anzutreffen, wo das Klima deutlich gemässigter, sprich kühler ist als in Perth. So gegen April setzt sich die Karavane dann gen Norden in Bewegung. Wir hatten häufig gelesen, dass die Grey Nomads gegenüber Familien und kleinen Kindern nicht gerade freundlich eingestellt sind. Das können wir absolut nicht bestätigen.

Der Grund, warum wir in Bunbury gelandet sind, ist das Dolphin Discovery Centre. Es wurde gegründet, um die wilden Delfine, welche fast jeden Morgen an den Strand kommen, zu schützen. Das Berühren von Delfinen ist in Australien illegal (darunter fällt auch Schwimmen mit Delfinen). Leider entscheiden wir uns, erst zu Frühstücken und sehen so gerade noch die Schwanzflosse vom letzten Delfin, der gerade weg schwimmt. Trotzdem erzählt uns eine der Freiwilligen (eine Schweizerin) ein paar interessante Fakten. Von uns eine klare Empfehlung, vielleicht sogar besser, als Monkey Mia.

Wir ziehen weiter Richtung Busselton, bekannt für seine Jetty, mit 1,8 km der zweitlängste Holzsteg der Welt. Was unsere Jungs aber viel mehr interessiert, ist der Spielplatz daneben. Das riesige Holzschiff ist aber auch der Wahnsinn.

Spielplatztraum

Gleich daneben befindet sich ein Park mit öffentlichen Toiletten, Gasgrills und Picknick Tischen. Und alles ist sauber und in einem tollen Zustand. Die Grills hier haben sogar Steckdosen, so kann man nicht nur seinen Hunger nach Wurst stillen, sondern auch den Stromhunger vom Handy befriedigen.

Bevor wir unseren Campingplatz für die Nacht ansteuern, machen wir noch einen Abstecher an die Geographe Bay. Die Strände hier liegen windgeschützt und eignen sich damit perfekt für Kinder zum Baden. Und da stehen wir vor dem ersten Traumstrand mit türkisfarbenem Wasser (für alle Männer – das ist eine Mischung aus Blau und Grün) und bekommen den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu. Das wird die nächsten zwei Wochen zum Dauerzustand werden. Wenn Australien eines kann, dann sind es Strände. Und die Westküste ganz besonders.

Sonnencreme in der 1 Liter Flasche am Meelup Beach

Die Nacht verbringen wir in Yallingup, einem kleinen Surfer Dorf. Der Campingplatz ist sehr schön, mit AUD 60 pro Nacht allerdings auch der teuerste unserer Rundreise. Am nächsten Morgen freuen wir uns auf leckeres Brot und Kuchen bei Yallingup Guglhupf, einer deutschen Bäckerei. Als wir auf den Parkplatz rollen, sehen ich ein Schild an der Tür „Closed Tuesdays“. Und jetzt raten wir, welcher Tag heute ist – genau: Dienstag! Ich möchte in Tränen ausbrechen, wir müssen also weiter in der Toastbrotwüste überleben. (Gut, ganz so schlimm ist es nicht mehr, mittlerweile haben auch die Australier gelernt, gutes Brot zu backen.)

Wir machen uns also auf, die Gegend um Margaret River zu erkunden. Hier gibt es unzählige Weingüter und Restaurants, aber auch einige der besten Surfstrände der Welt und grossartige Tropfsteinhöhlen. Hier wünschen wir uns zum ersten Mal, nicht nur 16 Tage sonder vielleicht 3 oder 4 Wochen für diese Rundreise Zeit zu haben. Wir müssen eine Auswahl treffen und halten uns an die Küste, da Wein ja bekanntlich 3/4 unserer Familie nicht interessiert. Canal Rocks und Injidup Natural Spa heissen unsere Ziele. Letzteres wird in kaum einem Reiseführer erwähnt, aber dank Instagram ist hier trotzdem mächtig was los. Es handelt sich um einen natürlichen Pool, der durch das Meerwasser, was über die Felsen strömt in eine Art natürlichen Whirlpool verwandelt wird. Es ist wirklich wahnsinnig schön hier, aber die Szenerie stimmt uns auch nachdenklich, wie sich das Reisen durch Social Media verändert hat.

Nicht ohne meinen Selfie Stick

Die Nacht verbringen wir auf dem Conto Campground. Der Platz wird von der Nationalparkbehörde verwaltet und bietet ausser Plumpsklo und einer einfachen Campkitchen nicht viel. Aber die Stimmung hier im Wald ist ganz besonders, zumal der Campingplatz fast leer ist. Einer der schönsten Übernachtungsplätze auf unserer Reise.

Conto Campground

Bevor wir am nächsten Tag die Küste verlassen, machen wir noch einen Stop in Hamelin Bay. Hier sollen sich Rochen am Strand tummeln – und tatsächlich schwimmen bestimmt 15 Exemplare durch das seichte Wasser. Zunächst müssen wir uns aber um Henry kümmern, der von einer Welle umgeworfen wurde und voll bekleidet im Wasser gelandet ist. Grosses Drama!

Rochen in Hamelin Bay

Wir biegen ab in Richtung Osten, genauer gesagt nach Pemberton. Im Südwesten von Australien gibt es ausgedehnte Wälder mit Karri und Tingle Bäumen, die teilweise bis zu 90 m hoch werden. Einige dieser Bäume wurden früher als sogenannte „Fire Trees“ benutzt. Auf den Bäumen wurden in schwindelerregender Höhe Platformen eingerichtet, von denen aus Waldbrände frühzeitig erkannt werden konnten. Heute wird diese Aufgabe von Flugzeugen übernommen. Drei der „Fire Trees“ sind jedoch immer noch der Öffentlichkeit zugängig. Die oberste Platform des Dave Evans Bicentennial Tree befindet sich auf 65 m Höhe. Und genau da hinauf muss Werner natürlich klettern. Das Ganze erfolgt über lange Nägel, die in den Baumstamm geschlagen wurden, „gesichert“ nur durch ein Drahtnetz. Paul ist Feuer und Flamme und will mit, ich kann ihn aber zum Glück vom Gegenteil überzeugen.

Kletteraffe

Ohne die WikiCamps Australia App hätten wir unseren nächsten Stellplatz wohl nie besucht. Der Quinninup Eco Tourist Park liegt mitten im Nirgendwo des australischen Hinterlandes. Am Eingang grüsst eine Armada von Hunderten Gartenzwergen. Das allein hätte uns wohl ohne die Empfehlung aus der App auf der Stelle kehrt machen lassen.

Gartenzwerg Traum

Der Campingplatz ist sehr einfach mit alten, aber sauberen Sanitäranlagen. Kostenpunkt: AUD 30 mit Strom, was für australische Verhältnisse echt günstig ist. Die Kinder zahlen nichts. Auf meine überraschte Nachfrage meint der betagte Besitzer nur „Ich habe selbst 9 Kinder.“ Dafür hat er sich aber gut gehalten. Das absolute Highlight hier sind jedoch die wilden Kängurus, die überall auf dem Platz unterwegs sind. Manche von ihnen sind sehr zutraulich. Besonders eine Mutter mit einem kleinen Joey (so heissen die jungen Kängurus) im Beutel.

Känguru Besuch

Paul ist wohl immer noch geprägt von unserer Affenbegegnung und betont immer wieder wie lieb doch die Beuteltiere sind, aber Affen sind böse!

Bevor wir am nächsten Tag in Walpole wieder auf die Küste treffen, fahren wir noch einen Teil des Great Forst Tree Drives im Shannon Nationalpark. Auf knapp 50 km Naturstrasse kann man hier zwischen den gigantischen Baumriesen hindurch fahren. Aus Zeit- und Akkustikgründen (durch das Gerüttel hört man Sam so schlecht) fahren wir nur eine Hälfte, aber sind wirklich begeistert.

Herbert im Wald

Wir haben uns ein wenig mit der Verpflegung verkalkuliert und müssen in Walpole noch einmal einkaufen. Auf der Karte sieht der Ort recht gross aus, in Natura handelt es sich dann um eine Ansammlung von etwa 15 Häusern. Eines davon ist Tankstelle, Supermarkt und Cafe in einem und verkauft uns gern für die doppelten Preise die gewünschten Lebensmittel. Und dabei ist dieser Teil Australiens noch relativ dicht besiedelt.

Bevor wir die Wälder um Walpole wieder verlassen, statten wir dem Valley of the Giants Tree Top Walk einen Besuch ab. Die Hängebrücken führen in bis zu 40 Meter Höhe durch die Baumkronen. Nicht ganz günstig das Vergnügen, aber absolut empfehlenswert, zumal man den Walk so oft laufen kann, wie man möchte.

Romantisches Valentinstag Erlebnis

Der zweite Teil unseres Roadtrips durch den Südwesten folgt im nächsten Beitrag.

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